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3000 Jahre alter Lokus in Saarbrücken durch Rohrbruchflut freigelegt

Keltischer Abtritt beschert Projekt „Stadtmitte am Fluss“ ein jähes Ende

Von Claude Michael Jung


Zunächst sah alles nach einer Verstopfung in der Personaltoilette eines Saarbrücker
Kaufhauses aus. Ein Abteilungsleiter muss wohl den Frust einer ganzen Woche in der
Sanitärkeramik abgeladen haben, was zu einer hartnäckigen Verstopfung derselben
führte. Ein herbeigerufenes Rohrreinigungskommando löste zwar das Malheur mittels
eines Hochdruckstrahlers. Der explosionsartige Abgang der gesamte Masse führte
jedoch unerwartet zu einem Rohrbruch, der wiederum für ein gewaltiges Loch in der
Saarbrücker Flanier und Fressmeile sorgte.

Bauarbeiter entdeckten mit den ablaufenden Wassermassen dann die Sensation. Eine
etwa 3000 Jahre alte, einem Thronsaal ähnliche Lokusanlage der gehobenen Klasse
zeigte sich den begeisterten Gaffern in der saarländischen Landeshauptstadt. Wie
sachkundige Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes bestätigten, muss der gewaltige
Abtritt aus rotem Sandstein in der Ära des Keltenfürsten Nixnutz III. erbaut und
genutzt worden sein. Uneinig sind sich die Saarbrücker Denkmalschützer jedoch über
die Inschrift: „Fir dei Dabberlaaf“ (dt. Für deinen Dünnpfiff), die oberhalb der
großdimensionierten und reich mit eingemeisselten Klosprüchen verzierten Schüssel
der Erleichterung angebracht ist.

„Dabberlaaf“ das keltische Wort für Dünnpfiff oder Durchfall ist zwar bis heute
umgangssprachlich an der Saar noch bestens bekannt, jedoch wurde es von Linguisten
bisher in die Ära des keltischen Saarfürsten Machtnix des XXIV. datiert, der einige
Jahrhunderte später von der Keltensiedlung Saabrigge aus, seine Umgebung
kontaminierte. „Saarbrückens Geschichte muss wohl neu geschrieben werden“, so ein
Archäologe der aus einem nahegelegenen Biergarten herbeigeeilt wurde.

Für die Gegner des umstrittenen Prestigeprojekts „Stadtmitte am Fluss“ ist es ein
großer Erfolg, wenn die gesamte Innenstadt der saarländischen Landeshauptstadt jetzt
abgebaggert werden muss, um die gesamte vorzeitliche Toilettenanlage, die
einzigartig in der Weltgeschichte ist, freizulegen. Für die Befürworter der
milliardenschweren Geldvernichtung, zu der auch einige Linke aus der Saar-Metropole
gehören, ist es dagegen ein Debakel, nur zu vergleichen mit dem Abstieg des 1. FC
Saarbrückens in die fünfte Liga.

Derweil soll sich Saarbrückens Sozen-Oberbürgermeisterin Charlotte Britz Hoffnungen
machen, in der Nähe des freigespülten Thronsaals, auch den verschollen geglaubten,
sagenhafte Schatz des Keltenfürsten Pleitefix aufzufinden. Britz soll davon träumen,
die hoch verschuldete Landeshauptstadt aus den Fesseln der Gläubiger zu befreien und
mit dem Rest des Schatzes die Innenstadt wieder neu aufzubauen. Das Gerücht,
Saarbrückens Hartz IV Empfängern aus dem geborgenen Keltenschatz einen ordentlichen
Hungerzuschag zu Weihnachten zu gewähren, entpuppte sich allerdings als
Latrinengerücht, wie gut unterrichtete Quellen aus der Parfümwolke der Saarbrücker
SPD-Oberbürgermeisterin bestätigten.

Um noch vor dem anstehenden Weihnachtshochwasser die keltische Lokusanlage, samt der
kompletten Palastanlage freilegen zu können, ist höchste Eile geboten. Da dem
Saarbrücker Einzelhandel, der bereits unter der galoppierenden Schwindsucht durch
die Kaufzurückhaltung der Konsumenten leidet, eh kein weiterer Schaden mehr zugefügt
werden kann, sollen saarländische Bergleute mit einer Jahrhundertverpuffung den
Abriss der Saarbrücker Prachtmeile am Ufer der Saar massiv beschleunigen.

Saarbrücker Marketingstrategen sind überzeugt, dass ein 14tägiger Schlussverkauf
ausreicht, die Regale der Kaufhäuser und Boutiquen zu leeren. Alles muss raus bevor
die Bergleute anrücken, um aus den Schnäppchen Staubpartikel zu machen. Der CDU-FDP
Stadtrat hat bereits die Film und TV Rechte an der Jahrhundertverpuffung
verscherbelt, wie es heißt. „Die letzte Privatisierung der Rathausgeier“ nannte die
außerparlamentarische Opposition den Verkauf des Saarbrücker Untergangsszenarios an
eine amerikanische Heuschrecke.

Vorbei ist es also mit den hochfliegenden Plänen der Saarbrücker Traumtänzer. Die
Innenstadt wird wieder keltisch. Neue Besucherströme werden die Ruinen der einstigen
Saarfürsten Nixnutz III., sowie seiner Nachfolger Machtnix und Pleitefix besuchen.
„Die haben dann wenigstens einen funktionierenden Lokus wenn der „Dabberlaaf“ über
sie kommt“, sagte ein Saabrigger Urgestein und hofft, dass die Stadtverwaltung ihren
künftigen Gästen zumindest für die Sitzung auf dem Keltenthron eine Rolle
dreilagiges Lokuspapier spendiert.