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Deutsche Bahn erhöht mal wieder die Preise


Alles zum Wohl renditehungriger Investoren

Von Claude Michael Jung

Die Deutsche Bahn will zum Dezember 2008 ihren Kunden mal wieder tiefer in die
Tasche greifen. Während Bahnchef Mehdorn eine deutliche Steigerung des
Konzernergebnisses bekannt gab, sollen angeblich eine „Kombination aus
explodierenden Energiepreisen und weit überdurchschnittlichen Personalkosten“ die
neuerliche Fahrpreiserhöhung rechtfertigen.

Die Deutsche Bahn AG setzt damit ihre Geisterfahrt an die Börse fort. Was zählt ist
einzig und allein der geplante Börsengang. Diesem Ziel wird alles andere brutal
untergeordnet. Der Kunde zahlt, um die DB für renditehungrige Investoren noch
lukrativer zu machen. Hinzu kommen Streichungen von Zugverbindungen im Fernverkehr
für den Fall, dass die Auslastung der Züge nicht den Erwartungen des Unternehmens
entsprechen.

Fahrpreise rauf, weniger Zugverbindungen und es hat den Anschein als werde die
Sicherheit der schnellen ICE Züge zum Wohl der künftigen Investoren auch noch klein
geschrieben. Wenig vertrauenserweckend ist die Ankündigung der Bahn, nach der
Beinahekastrophe eines ICE Zuges im Kölner Hauptbahnhof, in Zukunft zur
Achsentlastung der Züge, Toiletten schließen zu wollen und mit teilweise gelösten
Bremsen über das Schienennetz rasen zu wollen.

War die Paradestrecke der DB zwischen Frankfurt/Main über Saarbrücken nach Paris
erst vor kurzem noch als Meilenstein der Bahngeschichte und als voller Erfolg der
Öffentlichkeit verkauft worden, so stellt sich mittlerweile heraus, dass das
Unternehmen Bahn noch nicht einmal in der Lage ist die Paradestrecke nach Paris zu
bedienen. Hier verkehrt ein TGV der französischen Staatsbahnen SNCF für den Fall,
dass einer von Mehdorns ICE Zügen in die Werkstatt muss. Da hört sich die erst
wenige Monate alte vollmundige Ankündigung von Bahnchef Mehdorn, schon bald seine
Superschnellzüge bis nach Spanien fahren lassen zu wollen, wie die Ankündigung eines
Geisterbahnschaffners an, dem der Sinn für die Realität verloren vergangen zu sein
scheint.

Anstatt neue Passagiere mit einer attraktiven Kombination an guten
Streckenverbindungen und günstigen Fahrpreisen auf die Schiene zu locken, schwächt
Mehdorn damit rücksichtslos die umwelt- und klimafreundliche Bahn im Wettbewerb mit
anderen Verkehrsträgern.

Eine Renditebahn made by Mehdorn ist der falsche Weg in die Zukunft. Bahnkunden
wieder zurück auf die Straße oder das Flugzeug zu vergraulen schadet nicht nur den
Kunden, sondern auch dem Klimaschutz nachhaltig. Mehdorns Geisterfahrt könnte schon
bald am Prellbock enden, wenn der Börsengang nicht noch in letzter Minute verhindert
wird.

Das selbst Staatsbahnen schwarze Zahlen schreiben können, beweist gerade das oft
bestreikte und als schwerfällig geltende französische Staatsbahnunternehmen Société
nationale des chemins de fer français (SNCF). Vielleicht sollte
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee mal einen Blick über seinen Tellerrand
nach Paris wagen. Die Abfahrtszeiten der ICE-Züge dorthin, stehen jedenfalls noch im
Kursbuch der DB.