|
Parteiausschlussverfahren
Clement muss noch warten
Im Parteiausschlussverfahren gegen Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang
Clement hat die Schiedskommission der nordrhein-westfälischen SPD
noch keine Entscheidung gefällt. Gegen eine Rüge werde er nach
der SPD-Rechtsordnung nichts ausrichten können, sagte Clement nach
der Sitzung des Gremiums. Im Unterbezirk Bochum, wo Clement Mitglied ist,
war er im April wegen seiner Äußerungen vor der hessischen
Landtagswahl gerügt worden. Sollte die Schiedskommission die Rüge
bestätigen, können weder Clement noch seine Gegner in Berufung
gehen. Für eine Entscheidung kann sich das Parteigremium bis zu drei
Wochen Zeit lassen.
Dreieinhalb Stunden lang musste sich der frühere NRW- Ministerpräsident
den Fragen der Kommission stellen. Sieben SPD-Untergliederungen verlangen
den Ausschluss des 68- Jährigen, weil er kurz vor der hessischen
Landtagswahl im Januar in einem Zeitungsartikel indirekt dazu aufgerufen
hatte, wegen der Energiepolitik nicht für die SPD-Spitzenkandidatin
Andrea Ypsilanti zu stimmen. Die CDU hatte bei der Wahl ihre Mehrheit
mit einem hauchdünnen Vorsprung von rund 3500 Stimmen verteidigen
können.
Rechtsbeistand von Otto Schily
Er sehe der Entscheidung der Schiedskommission "sehr gelassen und
mit guter Stimmung" entgegen, sagte Clement. Sein Rechtsbeistand,
Ex-Bundesinnenminister Otto Schily, nahm ihn gegen Kritik des SPD- Ortsvereins
Bochum-Hamme in Schutz, der an der Spitze der Clement- Kritiker steht.
Der Ortsverein hatte Clement am Freitag in einem offenen Brief auch wegen
der Reform-"Agenda 2010" scharf angegriffen, die er als Bundeswirtschafts-
und Arbeitsminister durchgesetzt hatte. Schily sagte dagegen, die Ergebnisse
der "Agenda 2010" könnten sich sehen lassen. Versuche,
die Reformpolitik über ein Parteiordnungsverfahren zu verlassen,
seien zum Scheitern verurteilt.
Clement rudert nicht zurück
Clement kündigte an, er werde auch weiterhin die Politik seiner Partei
kritisieren, sollte sie nicht zu genügend Reformen bereit sein. Derzeit
sehe es so aus, als habe "in ganz Deutschland der Reformeifer nicht
die Überhand". Auch wiederholte Clement seine Forderung, über
eine Verlängerung der Laufzeiten für bestimmte Atomkraftwerke
wie in Biblis nachzudenken. Es könne ja noch nicht gesagt werden,
wie in zehn bis zwanzig Jahren die Energiesicherheit zu gewährleisten
sei.
Der Vorsitzende der SPD Bochum-Hamme, Rudolf Malzahn, sagte, die Gegner
Clements wollten über weitere Schritte beraten. Nach den Statuten
der SPD können die Genossen, die einen Ausschluss von Clement fordern,
gegen die Entscheidung der Landesschiedskommission allerdings keine Berufung
einlegen. Der ehemalige Wirtschaftsminister kann nur in Berufung gehen,
sollte die Schiedskommission ein härteres Urteil verhängen.
Das wäre ein Parteiausschluss, das zeitweilige Ruhen aller Rechte
als Mitglied oder das "Aberkennen des Rechts zur Bekleidung aller
Funktionen". Clement ist einfaches Parteimitglied.
aus.ntv |
|
|
|
|