Ostsee
bleibt Kreuzfahrt-Klo
Verband der Kreuzfahrt-Reedereien lehnt verbesserte
Reinigung der Schiffsabwässer ab.
Stralsund (sk) .- Während immer mehr Fährlinien ihre Schiffsabwässer
vorbildlich
entsorgen, leiten die meisten Kreuzfahrtschiffe ihre Klospülungen
und Abwässer auch
weiterhin unzureichend geklärt in die Ostsee. Sie leisten damit der
Bildung von
Algenteppichen und sauerstoffarmen Todeszonen Vorschub. Der Dachverband
der
Kreuzfahrtreeder, CLIA (Cruise Lines International Association) hat nach
monatelangen Gesprächen mit dem WWF eine Selbstverpflichtung zur
Reinhaltung der
Ostsee abgelehnt. Die WWF-Initiative sieht vor, dass die Schiffsabwässer
entweder in
den Häfen entsorgt oder an Bord geklärt werden müssen,
bevor sie ins Meer
eingeleitet werden. Jährlich verkehren bis zu 300 Kreuzfahrtschiffe
auf der Ostsee.
„Die Blockade-Haltung des Kreuzfahrt-Verbandes ist unverantwortlich.
Die Ostsee mit
ihren riesigen Todeszonen ist ohnehin schon stark verschmutzt“,
erklärt der Leiter
des WWF-Ostseebüros in Stralsund, Jochen Lamp. Derzeit wächst
wieder ein großer
Algenteppich auf der Ostsee. Dazu tragen auch die Nährstoffeinträge
aus
Schiffsabwässern bei.
Lediglich drei von 20 Kreuzfahrtgesellschaften unterstützen bislang
die
WWF-Initiative. Die Reedereien Peter Deilmann, Hurtigrouten und AIDA Cruises
wollen
die WWF-Standards einhalten. Besser sieht es bei den Fährlinien aus.
Die Mehrzahl
der Gesellschaften bekennt sich zu einer vorbildlichen Entsorgung. Sie
unterzeichneten die Selbstverpflichtung. „Diese Beispiele zeigen,
dass es auch heute
schon möglich ist, saubere Schiffe auf der Ostsee zu betreiben“,
so Lamp.
Der Kreuzfahrt-Dachverband CLIA hatte gegenüber dem WWF erklärt,
dass zunächst die
Abpumpstationen in den Häfen und die Entsorgungsanlagen auf den Schiffen
harmonisiert werden müssten. „Das sind fadenscheinige Ausreden“,
kritisiert Lamp.
Zwar sind viele Häfen unzureichend ausgestattet. Aber auch dort,
wo entsprechende
Einrichtungen bereit stehen, werden sie nicht genutzt. Viele Reeder bevorzugen
die
billigere und schnellere Entsorgung auf See. So gibt es zum Beispiel am
Kreuzfahrtterminal in Kiel zwei Liegeplätze mit Abwasser-Entsorgung.
Nach Angaben
der Hafenbetreiber hat davon 2007 jedoch keines der 114 anlegenden Schiffe
Gebrauch
gemacht.
In diesem Jahr werden nach Angaben des WWF bis zu 113 Tonnen Stickstoff
und etwa 38
Tonnen Phosphor aus den Kreuzfahrtschiffen in die Ostsee gelangen. Um
die
Nährstoffeinträge zu verringern, hatte die Umweltorganisation
2007 eine Kampagne
gestartet. Vor dem Start der Initiative landeten pro Jahr bis zu 100 Millionen
Klospülungen und 1,6 Milliarden Liter Schmutzwasser aus Fähren
und
Kreuzfahrtschiffen ungeklärt im Meer.
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