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Weihnachtschaos im Hause Lafontaine

Oskar backt Weihnachtsplätzchen - „Die Küche sieht aus wie nach dem Brand Roms“

Von Claude Michael Jung

Die Küche im Hause Oskar Lafontaines hat schon manchen Sturm überstanden. Jetzt aber ähnelt sie dem antiken Rom nach der Heimsuchung durch den Gotenkönig Alarich. Im ehemals weißen Kittel und mit Konditormütze auf dem Haupt wuselt Oskar zwischen Backofen, Bergen von Teig und einer unüberschaubaren Anzahl erlesener Glühweinflaschen hin und her. Gerade stößt der Backofen eine neue, großartige, fast schwarze Qualmwolke aus, während Oskar Lafontaine fürchterlich zu fluchen beginnt. Zum wiederholten Mal sind die Festmakronen für Franz Müntefering verbrannt.

Für Oskars liebende Ehefrau Christa ist das alles zu viel. Einem Weinkrampf erlegen, hat sie sich ins Schlafzimmer zurückgezogen. Ein Notarzt versorgt Christa Müller mit Mineralwasser, um ihren Körper vor der Dehydrierung, verursacht durch die sturzbachartig fließenden Tränen ,zu bewahren. Unten in der Küche ist mittlerweile ein Sack Mehl umgekippt. Aus der Staubwolke heraus schält sich Oskars alter Kumpel aus besseren Tagen, Ottmar Schreiner. Der Glühweinpott in Schreiners Hand ist längst so kalt wie die SPD. „Das Zeug schmeckt klasse“, betont der linke Haudegen und nimmt noch einen kräftigen Zug.

Mittlerweile ist vor dem Haus ein Reisebus mit linken Pilgern aus dem Schwarzwald eingetroffen. Ein Rauschgoldengel packt eine Harfe aus, und der Pilgerchor stimmt ein Weihnachtslied an: „O Du Fröhliche“ tönt an Christa Müllers Ohr, und ihr Tränenbach beginnt sich erneut in einen Sturzbach zu verwandeln. Hinter dem Haus wird ein Lieferwagen mit angebranntem Weihnachtsgebäck beladen. Die Lieferadresse - SPD Saar -Talstraße -Saarbrücken - ist deutlich lesbar auf den alten Kartoffelsäcken angebracht. Ein Mitarbeiter Lafontaines vertraut einem Reporter an, der Chef habe angeordnet, den ganzen Ausschuss den Sozis zu spenden. „Ausschuss zu Ausschuss“, soll der Hausherr gesagt haben.

Unterdessen sind auch die ersten Konditorlehrlinge zur Backparty eingetroffen. Da ist der Bundestagsabgeordnete Hans Kurt Hill, der natürlich mal wieder nicht seine Finger aus der großen Teigschüssel lassen kann. Der Maitre droht Hans Kurt, ihn wie einst Max und Moritz in den Backofen zu stecken, falls er noch mal vom Teig naschen sollte. Auch der Bundestagsabgeordnete Volker Schneider ist in der Werkstatt der gehobenen Konditorkunst eingetroffen. Schneider will Sternschnitte nach dem Rezept einer neuen Rentenformel in den Ofen schieben. Eine Mischung aus Marmelade, Schokolade, Apfelmus und Zuckerguss auf dem Boden bringt den Rentenexperten jedoch zu Fall. Aus seiner Ecke heraus meint Ottmar Schreiner: "Mach's noch einmal, Volker“, und nimmt noch einen armagnacverstärkten Glühwein zu sich.

Geistlicher Beistand für Oskars Gattin ist derweil eingetroffen und spendiert Trost für die Unglückliche. Von Vergebung der Sünden ist die Rede, und wenn die Küche erst mal vollständig renoviert ist, redet niemand mehr vom Mongolensturm auf Küche und Backofen. Der geistliche Herr scheint keinerlei Ahnung von Oskars rasender Liebe zu Weihnachtsgebäck zu haben. Im Adventsrausch legt Ottmar Schreiner, oder war es Hans Kurt Hill, einen Weihnachtssong auf den Plattenspieler: „Vom Himmel hoch da komm ich her“, krächzt der Lautsprecher, und prompt marschiert auch noch die Linksjugend im Vorgarten auf.

Die Dämmerung ist schon hereingebrochen, und Oskar ordnet eine unbezahlte Doppelschicht an. Subotnik (freiwillige, unentgeltliche kollektive Arbeit). Die Subbotniks entladen ohne zu mullen und zu knullen eine gerade frisch eingetroffene Ladung Mehl für die Weihnachtsbäckerei. Die Linksjugend hat es vorgezogen, sich unauffällig zu verdrücken. Wie es heißt, haben es alle im Kreuz. Unklar ist, wer die Badewanne des Hauses zum Teig rühren missbraucht hat.

Während der Mond aufgeht, trifft der gesamte Landesvorstand der Saar Linken in Oskars Backstube ein. Landeschef Linsler hat das große rote Backbuch unter dem linken Arm, und der Kulturexperte Lothar Schnitzler lobt die hohe Weihnachtskultur seiner Partei über den grünen Klee. Eine Elektrofirma ist gerade dabei, den schwer in Mitleidenschaft gezogenen Backofen in Oskars Werkstatt auszuwechseln. Per Fax schickt Gregor Gysi aus dem Osten noch ein paar alte Rezepte seiner Urgroßmutter an die Backspezialisten der Saar-Linken. Im Vorgarten füttert die Pressesprecherin Oskar Lafontaines einige hungrige Reporter mit Spritzgebackenem ab. Wie sie schmunzelnd zugibt, stammen die Köstlichkeiten aus einer Saarlouiser Bäckerei und nicht wie die argwöhnisch gewordenen Journalisten gemunkelt hatten, aus einer Versuchsreihe des linken Oberkonditors.

Jetzt rückt auch noch die Feuerwehr an. Nachbarn hatten einen Großbrand, verbunden mit einer gewaltigen Giftwolke, gemeldet. Doch es stellt sich heraus, dass alles viel harmloser ist. Auch Oskars liebende Gattin hat sich inzwischen wieder aufgerappelt und klärt die wartende Menge über den Grund der regen Backaktivititäten ihres Gatten und seiner lieben Genossinnen und Genossen auf.

Am 24. Dezember zwischen 10.00 und 14.00 Uhr gibt es in der Saarlouiser Silberherzstraße, vor dem Büro Oskar Lafontaines, einen großen Heilig Morgen-Umtrunk mit Glühwein und köstlichem Gebäck aus Meisterhand. Der Erlös fließt, wie bereits in den vergangenen Jahren der „Aktion Sternenregen“ des Saarbrücker Senders „Radio
Salü“ zu.