takt@takt.de
zurück

Stadtzeitung

 

Ladenschluss - Kein Shopping für Nazis

Demonstration gegen Nazis und ihre Läden am 17. Januar 2009, 13Uhr, Ludwigshafen,Rathauscenter (Lichttor)

Ob Aufmärsche, rechte Kundgebungen oder Übergriffe gegen MigrantInnen. Die Liste von
Naziaktivitäten in Ludwigshafen und Umgebung in den vergangenen Jahren ist lang und
sie spiegelt wider, wie sich die rechte Szene in der Stadt etabliert hat. Es gibt
rechte Treffpunkte wie Kneipen oder Parties und inzwischen wohnen auch einige
bundesweit aktive Nazigrössen in der Stadt. Seit kurzem kommen zwei weitere Punkte
in diese Auflistung hinzu. Im Sommer 2008 wurden zwei Geschäfte gegründet, in denen
Neonazis Kleidung, Musik und andere Gegenstände für ihre Szene verkaufen.

Einer der beiden Läden “Streetwear company” befindet sich im Stadtteil Süd in der
Halbergstr. 56, im Hinterhof. Die Angebotspalette reicht hier von Szenekleidung
(z.B. der Marken Thor Steinar und MaxH8), über CDs mit rechtsextremer Musik bis hin
zum Pfefferspray. Der Betreiber des Geschäfts, Malte Redeker, ist in der Naziszene
kein unbeschriebenes Blatt. Er wohnt in LU-Süd und ist eine zentrale Figur in
regionalen und bundesweiten Nazi-Netzwerken. Organisiert ist er im Aktionsbüro
Rhein-Neckar und bei den Hammerskins. Da der Betreiber das Licht der Öffentlichkeit
meidet, hat er bisher kein Schild am Gebäude angebracht und nur innerhalb der
rechten Szene Werbung gemacht (mit dem Slogan „Von der Bewegung – Für die
Bewegung“). Der Laden hat an drei Tagen in der Woche mittags, bzw. nachmittags
geöffnet.
Das zweite Geschäft trägt den Namen “Thugs” und befindet sich in Friesenheim in der
Ernst-Lehmann-Straße. „Thugs“ heißt übersetzt aus dem Englischen „Schläger,
Gewalttäter“. Hier ist der Name Programm. Die Kundschaft besteht zu einem großen
Teil aus rechten Hooligans des SV Waldhof Mannheim, die sich hier mit Kleidung der
Nazi-Marke Thor Steinar versorgen können. Inzwischen dient der Laden der
Hooliganszene auch als Treffpunkt, wo man sich am Wochenende zum Biertrinken trifft.

Es stellt sich unwillkürlich die Frage, warum die Nazis Ladengeschäfte anmieten, wo
doch der Vertrieb der braunen Ware übers Internet deutlich weniger Kosten und
Risiken bedeuten würde. Ihnen geht es dabei jedoch nicht nur um den Verkauf. Ihre
Läden sind für sie von strategischer Bedeutung, da sie hier in direkten persönlichen
Kontakt mit ihrer Zielgruppe treten können. Unpolitische oder unentschlossene junge
Menschen sollen zunächst über Musik und Kleidung an den rechten Lifestyle und die
rechte Subkultur herangeführt und später in die Szene eingebunden werden. Ein
Ladengeschäft dient jedoch nicht nur als Rekrutierungsfeld und Geldquelle, sondern
stärkt auch die vorhandenen Strukturen der Rechtsextremen. Es kann als Treffpunkt,
als Kommunikationsort an dem Informationen ausgetauscht werden können, sowie als
legaler Logistikstützpunkt genutzt werden.

Wenn sich ein solcher Laden etabliert, erhöht dies die Attraktivität des Stadtteils
für Mitglieder der rechtsextremen Szene und führt automatisch zu erhöhter Präsenz
und einem Zuzug von weiteren Personen aus diesem Spektrum. Was dies für einen
Stadtteil und insbesondere für die BewohnerInnen, die nicht in das beschränkte
Menschenbild der Nazis passen, bedeutet, kann sich jedeR vorstellen.

Rückenwind erhalten die Nazis durch ein gesellschaftliches Klima von Sozialabbau,
Krieg und Ausgrenzung, wodurch sich der politische Mainstream in den vergangenen
Jahren immer weiter nach rechts verschoben hat. Schon seit Jahren gehen verschiedene
Parteien mit rechten Parolen auf Stimmenfang und machen so rechtes Gedankengut
salonfähig. Gleichzeitig versuchen Politiker und Teile der Medien die Rolle
Deutschlands in der Zeit des zweiten Weltkriegs umzudeuten – aus Tätern sollen Opfer
werden. Rechtes Gedankengut ist verstärkt in der Mitte der Gesellschaft anzutreffen.
Auch diese Entwicklungen bieten den Nazis einen fruchtbaren Nährboden, auf dem sie
ihr Gedankengut weiter verbreiten können. Dem muss entschlossenes antifaschistisches
Handeln entgegengesetzt werden.

Gemeinsam und konsequent wollen wir gegen die Nazi-Läden und gegen Nazi-Strukturen
vorgehen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Neonazis versuchen, in Ludwigshafen
ein Geschäft zu etablieren. 1997 eröffnete der Nazi-Multifunktionär und
Waldhof-Hooligan Christian Hehl in LU-Süd seinen Laden “HehlŽs World”. Die
Zielsetzung der Nazis war vor elf Jahren die gleiche wie heute. Damals gelang es,
durch massiven und breiten antifaschistischen Widerstand, eine Schließung des Ladens
zu erreichen. Das ist auch jetzt unser Bestreben, denn es gilt für uns heute noch
der Schwur der Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald: “Die Vernichtung
des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des
Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.”

Deshalb:
Nazi-Läden dichtmachen, Nazi-Strukturen zerschlagen!
Für die Freiheit, für das Leben!
Gehen wir zusammen auf die Straße gegen die Nazis, ihre Läden und ihre Strukturen am
17. Januar 2009, 13Uhr, Ludwigshafen, Rathauscenter (Lichttor)

Die Demonstration wird unterstützt von:
AG Ufo, AK Antifa Mannheim, Anarchistische Gruppe Mannheim, Antifa AK an
der Uni Heidelberg,
Antifa Saar, Antifaschistische Initiative Heidelberg, Antifaschistische
Linke Darmstadt, Autonome
Linke Vorderpfalz, Bündnis gegen Abschiebungen Mannheim,
Bürgerinitiative Ludwigshafen
gegen Rechts, Die Linke- Kreisverband Mannheim, Die Linke- Landesverband
Rheinland-Pfalz,
Fachschaft 4 der FH Ludwigshafen, FAU Neustadt/Weinstr., Grüne Jugend
Mannheim, Grüne
Jugend Rheinland-Pfalz, Jugendantifa Saar, Jugendverband Rebell
Rhein-Neckar, Jusos
Ludwigshafen, Jusos- Landesverband Rheinland-Pfalz, Linke Liste
Mannheim, Lynx 9-49,
RSB/IV.Internationale, Ver.di- Bezirk Rhein-Pfalz, VVN/BdA
Baden-Württemberg, VVN/BdA
Mannheim

Ladenschluss - Kein Shopping für Nazis

Demonstration gegen Nazis und ihre Läden am 17. Januar 2009, 13Uhr, Ludwigshafen,
Rathauscenter (Lichttor)