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Stadtzeitung

Weihnachtsmann steht vor der Pleite

Santa Konzern fordert Milliardenstütze


Claude Michael Jung


Jetzt wächst sich die Weltwirtschaftskrise zur größten globalen Katastrophe aller Zeiten aus. Der Santa-Konzern hat sich kräftig an der Börse verzockt und meldet ein Milliardenloch in seiner Kasse. Von Alaska bis Feuerland dürften in diesem Jahr dieWeihnachtsgeschenke ausfallen. Alleine auf der Nordhalbkugel wurden bereits zehntausende Rentiere entlassen. Ihre Zeitarbeitsverträge wurden von denKonzernbossen nicht mehr verlängert. Die Konzernleitung des Global Players hatweiter angekündigt, auch das restliche Personal vor die Tür zu setzten, falls dieGewerkschaften nicht Arbeitszeitverlängerungen und Lohnkürzungen zustimmen würden.

Nach einer Dringlichkeitssitzung der Staatschefs der zwanzig wichtigsten
Wirtschaftsnationen an den Rouletttischen der Spielbank von Monte Carlo wurde eineMilliardenschwere Finanzstütze für den angeschlagenen Konsumterror-Konzernbeschlossen. Auf Drängen Deutschlands muss der Santa Konzern seine Bedürftigkeitnicht im einzelnen nachweisen. Es genüge das Ehrenwort der Vorstände, Aufsichtsräteund Manager, wurde aus Kreisen der Deutschen Delegation bekannt.

Harsche Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel, musste sich der französischeStaatschef Nicolas Sarkozy in Monte Carlo gefallen lassen. Sarkozy hatte unverfrorengefordert, die Finanzspritze nur zu gewähren, wenn der Santa-Konzern bis aufWeiteres unter Staatsaufsicht gestellt werde. „Monsieur le président, ils sont uncommuniste !“ (dt. Herr Präsident, sie sind ein Kommunist“) warf der Dolmetscher derregierenden Germania, im Auftrag seiner Herrin, dem Champagnerglas des französischen
Staatspräsidenten erregt entgegen.

Derweil wurde bekannt, dass die Bundesregierung dem Santa-Konzern einen
zweistelligen Milliardenbetrag zur Überwindung finanzieller Engpässe zur Verfügungstellen will. Gewöhnlich gut unterrichtete Kreise aus der SPD berichten, Parteichef Müntefering und Finanzminister Steinbrück beabsichtigten das Arbeitslosengeld II zur Kompensierung der Milliardenspritze um 25 EURO monatlich zu kürzen. Wie es heißt,
müssten auch die parasitären Hartz IV Elemente mit ihrem Solidarbeitrag mithelfen, das einzig wahre System der sozialen Marktwirtschaft zu retten und zu erneuern. Die SPD Parteispitze will in der kommenden Woche Vertreter der Tafeln und Betreiber von Suppenküchen empfangen und ihnen raten, die Linsensuppe zu Weihnachten mit Wasser zu strecken und Hundefutter als Gulaschersatz zum Weihnachtsfest an das von den Sozis und ihren Handlangern geschaffenen Bettelvolk zu verteilen.

Unterdessen werden aus Paris, Rom, Madrid und Brüssel erste Streiks gegen den immer zügelloser werdende Raffgier der Großkonzerne gemeldet. Dort gehen zehntausende auf die Straße und fordern eine Abkehr vom Kapitalismus. In weiten Teilen Europas wird ein unbefristeter Generalstreik erwartet. Aus Warschau und Moskau wird die Verbrüderung zwischen Väterchen Frost und polnischen Weihnachtsmännern nebst Rauschgoldengeln gemeldet.

Der Kapitalismus darf keinesfalls in Frage gestellt werden, das steht weltweit für die Finanzexperten und Wirtschaftsweisen fest. Massenarmut ist das Fundament auf dem Millionäre und Milliardäre stehen. Wer daran rüttelt macht sich zum Ketzer und wird als Kommunist gebrandmarkt. Für diese These stehen in Deutschland immer noch die spezialdemokratisch geführten Gewerkschaften. Merkels und Finanzminister Steinbrücks
Spendenschleuder muss die angeschlagene Wirtschaft wieder mit Steuermilliarden ankurbeln. Dafür müssen die Weihnachtsmänner und ihr Logistikpersonal kräftig zur Ader gelassen werden. Hauptsache Arbeit, gleich unter welchen Bedingungen. Es muss lediglich noch reichen die Gewerkschaftsbeiträge monatlich abzudrücken.

Aus dem großen Hauptquartier der Linken im saarländischen Oberlimberg kommt indes frohe Kunde, zumindest für einen Teil des Santa Konzerns. Parteimitglieder, die noch bis zum Jahresende einen umweltfreundlichen Rentierschlitten samt Besatzung kaufen, sollen für die Dauer von zwei Jahren von allen Parteibeiträgen befreit werden. Zusätzlich soll es zum Fest eine CD mit dem Weihnachtslied „O Du Fröhliche“, versehen mit einem Autogramm von Parteichef Oskar Lafontaine geben.

Wie abschließend gemeldet wird, will das globalisierungskritische Netzwerk Attac, zumindest die deutsche Weihnacht retten. Spritzgebackenes mit Schokoladenüberzug wollen die Attacies in der bevorstehenden Adventszeit an die von Entlassung bedrohten Mitarbeiter des Santa-Konzerns in Deutschland verteilen, um ihnen den Gang in die Armut zu versüßen. Wie bekannt wurde, wollen die Globalisierungskritiker demnächst sogar den Kapitalismus bändigen und soweit zähmen, dass das Raubtier sich
von den Prekariern streicheln und kraulen lässt. Ein Finanzexperte von Attac meinte, der Kapitalismus sei beherrschbar und eine Alternative zu seinen Segnungen gäbe es ohnehin nicht.
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