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Stadtzeitung

Feste feiern wie sie fallen
100. Geburtstag der Luxembourger Gewerkschaft FNCTTFEL – Eisenbahner,
Transportarbeiter und Staatsangestellte haben allen Grund zum feiern

Veranstaltungsprogramm im Bettemburger Kino „Le Paris“

2009 wird die Eisenbahner-Transport-Gewerkschaft FNCTTFEL (Fédération National des
Cheminots, Travailleurs du Transport et Employés Luxembourg), kurz Landesverband
genannt, ihr 100-jähriges Bestehen feiern.
Im Vorfeld dieses Ereignisses feiern die lokalen Vereinigungen Bettemburg, Esch,
Petingen, Rümelingen sowie die Betriebssektion TICE der Gewerkschaft bereits diesen
Geburtstag.
Dazu hat sich die Vereinigung Bettemburg etwas Spezielles einfallen lassen und
organisiert vom 14. bis 18. November ein Filmfestival im Bettemburger Kino „Le
Paris“ mit Spielfilmen, deren Geschichten direkt oder indirekt etwas mit den
Tätigkeiten einer Gewerkschaft zu tun haben. Fünf Filme stehen auf dem Programm,
davon drei in Luxemburger Erstaufführung, „Ben X“, „Freigesprochen“ und „Der letzte
Zug“.
Der Eintritt ist gratis, und die Vorstellungen beginnen jeweils um 20.00 Uhr.

Offizielle Eröffnung des Filmzyklus’ am Freitag 14. November

Freitag, den 14. November 2008:

Ben X (Belgien; 2007; 93 Minuten)
Regie und Drehbuch: Nic Balthazar, nach seinem Roman

Resümee: Ben (Greg Timmermans) ist Autist. Trotz dass er recht intelligent ist, lebt
er in seinem eigenen Universum, das ganz auf dem Computerspiel „Archlord“ basiert.
Hier ist er ein großer mächtiger Kämpfer, und er, Ben X, hat stets eine Freundin,
Scarlite (Laura Verlinden), an seiner Seite, die ihn unterstützt, wenn er im Spiel
in gefährliche Situationen gerät. In seiner irrealen Welt hat er es bis zum Level 80
geschafft, doch in der realen Welt sieht sein Alltag ganz anders aus: Level Null.
Seine Mitschüler am technischen Gymnasium peinigen und hänseln ihn. Ben versteht
diese Welt sowieso nicht, in der seine Mutter (Marijke Pinoy) mit ihm und seinem
kleinen gesunden Bruder überfordert ist. Hier sind die Menschen Andersartigen
gegenüber sehr grausam. Ben denkt sich einen neuen Plan aus, der nur aus einem Wort
besteht: Mord. Doch dann taucht seine virtuelle Freundin im reellen Leben auf.

Gewerkschaftliche Interessen: Das Thema des Films kann man mit Mobbing umschreiben,
ein Wort, das seinen Einzug erst seit ein paar Jahren in das gewerkschaftliche
Tätigkeitsfeld gefunden hat, und das man mit „Psychoterror am Arbeitsplatz“ erklären
kann. Mobbing bedeutet, Kollegen zu schikanieren und zu verletzen, um sie so am
Arbeitsplatz (oder in der Schule, im Verein, usw.) zu isolieren, um die eigene
Person und Interessen zu profilieren. Der Begriff „Bullying“ wurde von einigen
deutschsprachigen Autoren erschaffen, um damit das Mobbing unter Kindern und
Jugendlichen in der Schule zu umschreiben. Hier spielen allerdings körperliche
Gewalt oder deren Androhung eine wichtigere Rolle als beim Mobbing am Arbeitsplatz.
Der Film läuft in Luxemburger Erstaufführung und wird auch in keinem anderen Kino zu
sehen sein.


Samstag, den 15. November 2008:

Taxi 4 (Frankreich; 2007; 91 Minuten)

Regie: Gérard Krawczyk; Drehbuch: Luc Besson

Resümee: Die Marseiller Polizisten um den tollpatschigen Kommissar Gilbert (Bernard
Farcy), die 1998 von Luc Besson ins Leben gerufen wurden, müssen im vierten Teil der
„Taxi“-Serie den gefährlichen belgischen Kriminellen, Le Belge (Jean-Luc Couchard),
24 Stunden lang bewachen. Umgeben von lauter top-unfähigen Beamten, vermag selbst
der Dümmste zu entwischen. Der inzwischen aus dem Polizeidienst entlassene Émilien
(Frédéric Diefenthal) kann erneut mit dem Taxifahrer Daniel (Sami Naceri) den
flüchtigen Bösewicht dingfest machen.

Gewerkschaftliche Interessen: Auch wenn Taxis zum Transportwesen gehören, und viele
luxemburgische Taxifahrer im Landesverband organisiert sind, handelt der Film von
Gérard Krawczyk sicher nicht von den Problemen der Taxifahrer, sondern bietet
einfach nur lustige Unterhaltung für die ganze Familie.


Sonntag, den 16. November 2008:

Freigesprochen (Österreich-Luxemburg; 2007; 100 Minuten)

Regie und Drehbuch: Peter Payer, nach dem Roman und Theaterstück „Der jüngste Tag“
von Ödön von Horvath

Resümee: Wegen einer Blockade durch Lastwagen auf den Autobahnen zirkulieren an
diesem Tag viele Sonderzüge. Im Stellwerk, wo Fahrdienstleiter Thomas Hudetz (Frank
Giering) Dienst hat, geht alles drunter und drüber. Thomas ist mit Hanni (Corinna
Harfouch) verheiratet, die ihn ab und zu besucht. Auch die junge Anna (Lavinia
Wilson) schaut an diesem stressigen Tag vorbei und flirtet mit Thomas, so dass
dieser abgelenkt einen fatalen Fehler begeht. Der Lieferwagen seines Freundes Josef
(Albert Dorfer) wird auf einem unverschlossenen Bahnübergang von einem Schnellzug
erfasst. 21 Personen im Zug und Josef sterben. Durch fehlende Augenzeugen und Annas
falsche Aussage vor Gericht wird der Bahnbeamte freigesprochen. Doch weder er noch
Anna kommen mit ihren Gewissen zurecht.

Gewerkschaftliche Interessen: Die Szenen im Stellwerk und auf den Bahnsteigen wurden
im Escher Bahnhof gedreht. Viele echte Bahnbeamte kamen zudem als Statisten zum
Einsatz. Kurz nach dem Drehschluss in Esch – weiterer Szenen wurden in Österreich
gedreht – kam es am 11. Oktober 2006 auf der Bahnlinie Bettemburg-Thionville in
Zoufftgen zu einem tragischen Zusammenstoß zwischen einem französischen Güterzug und
einem Luxemburger Personenzug. Sechs Menschen ließen ihr Leben und 16 wurden
verletzt. Es war das schlimmste Zugunglück in der Geschichte der luxemburgischen
CFL. Das Thema der menschlichen Schuld und die Sicherheit bei der Eisenbahn waren
urplötzlich im Brennpunkt der Öffentlichkeit. Ebenfalls der Landesverband musste
sich mit diesen Problemen auseinander setzen. Glücklicherweise passieren solch
dramatischen Unglücke sehr selten in Luxemburg. Eine Fehlhandlung, wie im Film von
Peter Payer beschrieben, kann jedoch in Wirklichkeit nicht passieren. Die
technischen Sicherheitsstandards lassen nicht zu, dass ein Signal auf Grün schaltet,
ehe die Bahnschranken geschlossen sind. Der Film will sich in erster Linie mit der
Bewältigung der Schuld auseinander setzen und kein Eisenbahnerlehrfilm sein.

Die luxemburgische Co-Produktionsfirma ist Iris Productions. „Freigesprochen“ läuft
in offizieller luxemburgischer Erstaufführung, im Beisein von Mitgliedern der
Filmcrew und des Luxemburger Film Fund. Danach wird der Film im „Utopia“ zu sehen
sein.


Montag, den 17. November 2008:

Nuits d'Arabie (Luxemburg; 2007; 110 Minuten)

Regie und Drehbuch: Paul Kieffer

Resümee: Während einer Kontrolle bemerkt der Schaffner Georges Turmes (Jules Werner)
eine schlafende junge Frau, Yamina (Sabrina Ouazani). Noch am selben Abend findet
Georges sie wieder schlafend in einem Unterschlupf nahe dem Bahnhof. Er will ihr nur
helfen, aber sie flüchtet vor ihm. Yamina läuft ihm ein weiteres Mal über den Weg.
Unbekannte haben sie verletzt, und er bietet ihr ein provisorisches Obdach in einem
Gartenhäuschen. Kurze Zeit später bleibt sie aber verschwunden. Sie hat ihn über
ihre Situation belogen und ist nach Marseille aufgebrochen. Hier erfährt er, dass
sie nach Algerien weiter gereist ist, möglicherweise nach Tabelbala, ihrer
Heimatoase. Für viel Geld erkauft er sich eine Überfahrt und nimmt alle möglichen
Strapazen auf sich, um Yamina zu finden.

Gewerkschaftliche Interessen: Wiederum wurde ein Teil des Films, der von Samsa Film
mit produziert wurde, auf dem Gelände der luxemburgischen Eisenbahn gedreht. Es ist
in erster Linie eine aparte Liebesgeschichte, ohne weitere gewerkschaftliche
Hintergedanken.


Dienstag, den 18. November 2008:

Der letzte Zug (Deutschland; 2006, 123 Minuten)

Regie: Dana Vávrová und Joseph Vilsmaier; Drehbuch: Artur Brauner und Stephen Glantz

Resümee: 1943. Aus Berlin wurden bereits über 70000 Juden deportiert. Im April rollt
aus dem Bahnhof Grunewald ein Zug mit 688 Juden Richtung Auschwitz. Ob jung oder
alt, Akademiker, Küns-tler oder Boxer, alle Kategorien von Menschen sind in den
Viehwaggons zusammen gepfercht. Die Reise in den Tod soll sechs Tage dauern. Ein
Kampf gegen unerträgliche Hitze, Durst und Hunger beginnt. In ihrer Verzweiflung
versuchen einige aus dem rollenden Gefängnis auszubrechen, darunter das Ehepaar
Henry und Lea Neumann (Gedeon Burkhard und Lale Yavas) sowie die junge Ruth
Zilberman (Sibel Kekilli). Doch Auschwitz und der Tod rücken immer näher.

Gewerkschaftliche Interessen: Wiederum hat dieser Film nichts direkt mit
gewerkschaftlichen Tätigkeiten zu tun. Hier wird allerdings ein Aspekt gezeigt, wie
man die Eisenbahninfrastruktur nutzen kann, um Menschen in den Tod zu
transportieren. Der Film vom Regisseur von „Stalingrad“ und „Comedian Harmonists“ -
Dana Vávrová ist übrigens seine Frau - zeigt auf beeindruckende Weise, wie sich
Menschen in dieser fatalen Situation verhalten. Lale Yavas war in Andy Bauschs
„Deepfrozen“ zu sehen. „Der letzte Zug“ läuft ebenfalls in luxemburgischer
Erstaufführung und wird anschließend im Escher „Kinosch“ gezeigt werden.
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