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Stadtzeitung


 

Saarländische Armutskonferenz präsentiert Armutserkundung im Saarland

* SAK stellt Buch „Armutswege – Armutserkundung vor Ort“ vor

Saarbrücken (sk) - Nach fast zwei Jahren Arbeit zwischen der Ideenfindung und der
Veröffentlichung hat die Saarländische Armutskonferenz e.V. (SAK) das Buch
„Armutswege - Armutserkundung vor Ort“ im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.
Wie der Vorsitzende Egbert Ulrich erklärte, sei das Buch der Versuch die Diskussion
um die Bekämpfung der Armut neu zu entfachen. Es sei auch ein Beitrag dazu die
Erfahrungen von Betroffenen öffentlich zu machen und dem - nun endlich - geplanten
saarländischen Armutsbericht Nahrung zu verschaffen.

Wie Manfred Klasen, Geschäftsstellenleiter und Autor des Buches erklärte, habe die
Befragung erschreckende und zum Teil auch neue Erkenntnisse hervorgebracht. Deutlich
sei geworden, dass das Thema „Armut und Gesundheit“ bzw. Behinderung in seiner
Dimension und Tragweite völlig unterschätzt worden sei. So gab ein Großteil der
Befragten an, dass die Versorgung mit Medikamenten nicht gesichert sei, die
Versorgung mit Hilfsmitteln wie Brillen oder Zahnersatz absolut im Argen liege und
Arztbesuche am Quartalsende nur im Notfall in Frage kämen. Grund hierfür sei die
Furcht zwei mal Praxisgebühr zahlen zu müssen. Viele stünden vor der Alternative
Medikamente oder Lebensmittel kaufen zu können.

In der Beurteilung schlecht weg kamen die Argen was u.a. mit grob unfreundlichem
Verhalten der Mitarbeiter, mit „Leistungsverweigerung“ und mangelnder Effektivität
begründet wurde.

Arbeitslose beschrieben ihre Situation durchweg als „beschissen“ und ihre Lage auf
dem Arbeitsmarkt als hoffnungslos. Insbesondere Ältere und gesundheitlich
Eingeschränkte stünden auf dem Abstellgleis.

Die Arbeit der Hilfseinrichtrungen wie Tafeln, Stadtteilbüros und
Sozialberatungsstellen sei dagegen im Durchschnitt mit gut bewertet worden. Die
professionellen Einrichtungen gaben an, dass die Nachfrage nach Hilfe erkennbar
größer sei als man mit den personellen Kapazitäten leisten könne. Die Nachfrage bei
den Tafeln sei nach Einführung von Hartz IV sprunghaft angestiegen.

Wie Egbert Ulrich weiter erklärte, müsse sich die Landesregierung gegenüber dem Bund
für höhere Hartz IV-Sätze einsetzen. Gleichzeitig sollten arme Menschen
grundsätzlich von allen Zuzahlen bei Medikamenten, beim Arzt und bei Hilfsmitteln
befreit werden. Die Kommunen könnten mit „Sozialpässen“, Schulbeihilfen und der
angemessenen Übernahme der Wohnkosten von Hartz IV-Beziehern einen wichtigen Beitrag
gegen Armut leisten. Notwendig sei mehr Personal in den Sozialberatungseinrichtungen
wobei Kommunen und das Land in die Tasche greifen müssten.

Der Landesregierung rate man den angekündigten Armutsbericht („Sozialstudie“) zügig
anzugehen sich zeitlich aber auf keinen Fall selbst unter Druck zu setzen.
Gründlichkeit und umfassende Erkenntnisse seien wichtiger als die Veröffentlichung
des Berichts vor der Landtagswahl.

Das Buch „Armutswege – Armutserkundung vor Ort“ (ISBN: 978-3-930771-48-6) ist im
Blattlaus-Verlag erschienen und kann im Buchhandel für 5 Euro bestellt werden.
Erworben werden kann das Buch auch direkt bei der Saarländischen Armutskonferenz
e.V., Tel. 01520-2533972