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Strasbourg
- Die wunderbare Europäerin
Stadt der Marseillaise zwischen Vogesen
und Rhein
Von Petra und Claude Michael Jung
Über Jahrhunderte war Strasbourg Zankapfel
zwischen den „Erbfeinden“ Deutschland und Frankreich. Heute
ist die Stadt zwischen Vogesen und Rhein Europastadt mit Sitz des Europaparlaments,
des Europarats, sowie dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.
Auch der viel zu wenig bekannte Europäische Bürgerbeauftragte
hat in der „Hauptstadt Europas“ seinen Sitz. Europas Bürgerbeauftragter
widmet sich den Beschwerden der Bürgerinnen und Bürger der gesamten
Europäischen Gemeinschaft über Missstände in der EU Verwaltungstätigkeit.
Wie es heißt, soll dem „Dompteur des europäischen Amtsschimmels“
die Arbeit niemals ausgehen und die Arbeitsplätze hier sind sprichwörtlich
zukunftsorientiert.
Reisende die in Strasbourg mit der Bahn ankommen,
verlassen ihren Zug und betreten ein bedeutendes Drehkreuz der französischen
Staatsbahn SNCF. Mit den modernen Schnellzügen der „Société
nationale des chemins de fer français“, sind Europas Metropolen
von Strasbourg aus nur einen Katzensprung weit entfernt. Brüssel
Paris, München und Zürich, aber auch die Industriestadt Lille
und Nantes an der Loiremündung, im Norden Frankreichs, stehen als
Ziel der französischen Superschnellzüge TGV auf der Informationstafel
in der Eingangshalle des „Gare Central“ (Zentralbahnhof).
In etwas mehr als fünf Stunden ist von Strasbourg auch die Hafenstadt
Marseille am Mittelmeer und die Atlantikmetropole Bordeaux mit dem TGV
zu erreichen. Port Bou, das Tor in den Pyrenäen nach Katalonien und
weiter nach Spanien hinein, lässt grüßen und träumen
von einem Urlaub unter Palmen und Pinien. Auf spanischer Seite sind die
Bauarbeiten für eine Weiterführung der TGV-Linie von Strasbourg
über Port Bou, in die katalanische Hauptstadt Barcelona, bereits
weit
fortgeschritten, sodass sich der TGV aus dem Elsaß, mit seinem
spanischen Pendant, dem Superschnellzug AVE, bald irgendwo auf der Strecke
kreuzen wird.
Glaspaläste, Fachwerkhäuser und prachtvolle
Bauten der Renaissance
prägen das Bild Strasbourgs. Besonders auffallend präsentiert
sich die
vollständig verglaste klassizistische Fassade des „Gare Central“,
wie
ein Raumschiff von einem fernen Planeten. Von hier aus führt der
Weg in das romantische Strasbourg. Zuerst über den „Place Kléber“,
benannt nach dem, in Strasbourg geborenen Offizier der französischen
Revolutionstruppen und späteren General Napoleon Bonapartes,
Jean-Baptiste Kléber.
Hier, auf dem belebten Zentralplatz Strasbourgs,
führen die Gedanken
auch zurück in die Zeit der französischen Revolution. Nicht
in Marseille wurde die französische Nationalhymne, die berühmte
Marseillaise geboren. Das Lied der Franzosen wurde in Strasbourg als „Chant
de guerre pour l’armée du Rhin“, (Kriegslied für
die Rheinarmee) anlässlich der Kriegserklärung des revolutionären
Frankreich, an Österreich, im April 1792 von Claude Joseph Rouget
de Lisle verfasst. Der französische Dichter und Komponist Rouget
de Lisle widmete sein „Chant de guerre pour l’armée
du Rhin“ ausgerechnet einem Deutschen, dem aus Cham in der
Oberpfalz stammenden, damaligen Generalleutnant und Oberbefehlshaber der
französischen Rheinarmee, dem Grafen Nikolaus von Luckner. Seinen
weltberühmten Namen „La Marseillaise“ erhielt das Lied
aus Zufall. Aus der südfranzösischen Hafenstadt Marseille, in
Paris einziehende
Revolutionstruppen sangen das phantastische, an das Gefühl der
Revolutionäre appellierende Lied der französischen Rheinarmee
bei ihrem Einmarsch in Paris. Dies war die zweite Geburtsstunde der französischen
Nationalhymne mit, im Grunde genommen internationalem Hauch.
Die mehr als zweitausend Jahre alte elsässische
Metropole ist bekannt
für ihre reiche Kulturgeschichte und ist zu jeder Jahreszeit eine
Reise
wert. Nur wenige Schritte von der „Place Kléber“ entfernt
liegt die
„Place Gutenberg“. Hier findet der Strasbourger Büchermarkt
statt.
Antiquarisches aus der Ära Kaiser Wilhelms findet man hier in den
Auslagen der Händler ebenso wie Kochbücher. Die großen
Klassiker liegen neben den Werken Karl Mays, sowie Bildbänden aus
der ganzen Welt. Englische, französische und deutsche Literatur aus
vergangenen
unfriedlichen Zeiten sind an den, mehr als nur sehenswerten
Bücherständen auf dem Strasbourger Büchermarkt des 21.
Jahrhunderts friedlich vereint.Das alte Strasbourg
ist eine Stadt der kurzen Wege. So steht die Besucherin oder der Besucher
schon wenige Meter von der „Place Gutenberg“ entfernt, vor
der, als romanische Kirche konzipierten, gotischen Kathedrale, dem Münster.
Begonnen wurde mit dem Bau im Jahr 1015 und Anno 1439, mit der Fertigstellung
des 142 m hohen Nordturm wurde der mächtige Sakralbau aus rosa Sandstein,
die elsässische „Cathédrale Notre-Dame“, fertiggestellt.
Beeindruckend ist die figurenreiche Westfassade
des Münsters mit ihren Portalstatuen, die Fensterrose, sowie die
astronomische Uhr und die Silbermannorgel. Für Schwindelfreie ist
eine Besteigung des Strasbourger Münsters ein Muss. Eine Wendeltreppe
führt hinauf zur 66 m hohen Plattform der großen Kathedrale.
Von hier oben aus genießt man an klaren Tagen einen grandiosen Überblick
über die Stadt und bis weit in die Vogesen hinein.
Ein besonders sehenswerter, jedoch auch als Touristenmagnet
stark
frequentierter Stadtteil von Strasbourg, ist das ehemalige Fischer und
Gerberviertel „La petite France“ (Das kleine Frankreich).
Eine erste
Exkursion dorthin ist bequem mit der Elektrorikscha, dem Fahrradtaxi für
zwei Personen, von der „Place der la Cathédrale“, dem
Münsterplatz aus möglich. Die 30minütige Rundfahrt kostet
15.00 EURO und ist ihr Geld, auch dank der ausgezeichneten Reiseleitung
der Rikschafahrer, wert.
Entlang der „Barrage Vauban“, einer
militärischen Sperre des
französischen Festungsbaumeisters Vauban, am ehemaligen Stadteingang,
die dazu diente das gesamte Viertel bei einem feindlichen Angriff unter
Wasser zu setzten, geht die Fahrt mit der Elektrorikscha entlang der zahlreichen
Restaurants und Weinstuben (els. Winstubb). In den alten Fachwerkhäusern
finden die Besucher auch zahlreiche kleine Geschäfte und Läden.
Die direkt am romantischen Flüßchen Ill gelegenen, gut erhaltenen
und stilvoll renovierten Fachwerkhäuser. lassen ihre Besucher in
eine
stimmungsvolle Atmosphäre eintauchen. Auch deswegen wird „La
Petite France“ gerne von den Besuchern Strasbourgs aufgesucht.
Darf es zum Abschluss der kurzen Visite von „Europas
Hauptstadt“ noch ein bisschen Hektik sein? Dann schnell noch zur
„Place des Halles“, zum Shopping. Ganz im amerikanischen Stil
eines Superkaufhauses (Mall), gibt es hier Alles. Vom Nobelhotel über
Restaurants bis hin zur Schraube, Staubsaugerbeutel, dem original elsässer
Münsterkäse, Möbeln und teuren Mode-Accessoires. Doch auch
am Rande des hektischen Getümmels, findet der Besucher zu seiner
Überraschung einen Hort der Entspannung. Direkt
hinter der Mall befindet sich eine Oase der Ruhe. Ein kleiner Park lädt
mit seinen Bänken zu einem Resümee des Tages ein. Während
ein lustiger Trupp Spatzen zwischen den Bäumen und Sträuchern
munter umher tollt und ein paar Tauben mal nachsehen, ob es etwas essbares
bei uns zu finden gibt, sagen wir: „Adieu Strasbourg, du wunderbare
Europäerin, adieu und bis bald“.
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