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Lafontaine Gattin Christa Müller sorgt weiter für bundesweite Empörung in ihrer Partei

Geplante Familienpolizei und Genitalverstümmlung sorgen weiter für Zoff innerhalb der Linken


Von Claude Michael Jung

Christa Müllers Vergleich zwischen Genitalverstümmlung von Mädchen mit der
Unterbringung von Kleinkindern in Kinderkrippen im Spiegelinterview vom 10.März
2008, sorgt weiter für bundesweite Empörung innerhalb der Linken. Quer durch die
Republik gehen Parteigremien auf Distanz zur kooptierten familienpolitischen
Sprecherin des Landesverbandes DIE LINKE. Saar. Christa Müller hält jedoch fest an
ihrer heftig kritisierten Aussage: „Diesen Vergleich wage ich, denn bei der
Genitalverstümmelung handelt es sich um Körperverletzung, bei der Krippenbetreuung
in einigen Fällen um seelische Verletzung - und die ist manchmal schlimmer als
Körperverletzung.“

Uneingeschränkte Unterstützung findet Christa Müller dabei beim Landesvorsitzenden
der LINKE Saar Rolf Linsler, der sich wie der treue Heinrich vor die Gescholtene
stellt und das höchst umstrittene Konzept, das bisher lediglich auf Anklang und Lob
bei den Parteien des braunen Rands gestoßen ist, verteidigt. „Der Landesvorstand der
Saar-Linken hat im übrigen am 8. Februar 2008 einen Vorstandsbeschluss gefasst.
Darin heißt es unter anderem: „DIE LINKE.Saar will einen Neuanfang in der
Familienpolitik. Eltern sollen frei entscheiden können, ob sie ihre Kinder selbst
erziehen oder Kindertagesstätten besuchen lassen," so Paladin Linsler in einer
Pressemeldung.

Das familienpolitische Konzept Müllers stellt jedoch keinen Neuanfang in der
Familienpolitik dar und von der immer wieder gebetsmühlenartig angeführten
Wahlfreiheit kann ebenfalls keine Rede sein. Wahlfreiheit bedeutet einen
existenzsichernden Arbeitsplatz zu haben und sich trotzdem für die Kindererziehung
zu entscheiden, also wirklich wählen können zwischen zwei Dingen. Dies trifft jedoch
heute für die wenigsten jungen Mütter und Väter angesichts der prekären Lage auf dem
Arbeitsmarkt noch zu.

Auch von einem Neuanfang in der Familienpolitik kann bei Christa Müllers
familienpolitischem Vorstoß keine Rede sein. Was hier aufgebaut werden soll,
bedeutet für die künftigen Erziehungsgehaltbezieherinnen, dass der Stadt bis hinein
in die Wohn, Schlaf und Kinderzimmer kontrolliert. Wer sich nicht wohlfeil verhält,
wird vom Familienberatungszentrum, das jedem Jugendamt angegliedert werden soll, mit
finanziellen Sanktionen abgestraft. Also Hartz V bis VII für Erziehende und das mit
einem kaum zu finanzierenden bürokratischem Aufwand.

Dabei müsste Müller eigentlich wissen, dass der schwedische Wohlfahrtsstaat bereits
vor mehr als zwei Jahrzehnten, ein ähnlich weit in die Familien hineingreifendes
Programm, mangels praktischer Umsetzungsmöglichkeiten und immer weiter ausuferndem
bürokratischen Wasserkopf, außer Kraft gesetzt hat.

Auch die zwingend vorgesehenen Hausbesuche der Familienberatung, die über die
Volljährigkeit des Kindes hinaus, noch zweimal im Jahr, durch den Onkel oder die
Tante vom Amt erfolgen sollen, werden sich als Schuss in den Ofen erweisen. Mutti
und Vati könnten bis dahin schon Oma und Opa und der zu betreuende Kleine längst
beim Dienst am Vaterland, samt Ritterkreuz um den Hals, zum Krüppel geschossen
worden sein.

„Das Erziehungsgehalt dient der Bekämpfung und Aufdeckung von Kindesmisshandlung,
Kindesvernachlässigung und sexuellem Missbrauch von Kindern“ so ist in Christa
Müllers familienpolitischen Entwurf nachzulesen. Richtig ist, in diesem Land liegt
nach jahrzehntelanger sozialpolitischer Ignoranz und Kahlschlag vieles im Argen.
Jedoch sexueller Missbrauch. Kindesmisshandlung und Vernachlässigung sind nicht mit
Müllers geplanter Familienpolizei zu bekämpfen. Allein an dieser Stelle sind
eindeutig die Erzieherinnen und Erzieher in den Krippen im Vorteil. Dies gilt ebenso
für die, im Kindesalter zu erlernende soziale Kompetenz der Kinder, die innerhalb
einer Gruppe wesentlich besser gefördert werden kann, als erwiesenermaßen an Muttis
Rockzipfel.

Christa Müllers Familienkonzept, das sie in der Öffentlichkeit im Namen der Partei
DIE LINKE vermarktet, wird so niemals Realität werden. Es bedeutet jedoch eine
schallende Ohrfeige für Mütter und Väter, sowie für die Betreuerinnen und Betreuer
in den Kindergrippen, denen generelle Unfähigkeit zur richtigen Erziehung attestiert
wird.

Gerade der saarländische Landesverband, der es bisher nicht fertig gebracht hat, ein
eigenes Parteiprogramm auf die Beine zu stellen, wäre gut beraten das Thema
Familienpolitik in dieser Form aus dem Verkehr zu ziehen. Die Menschen an der Saar
wollen wissen wie es wirtschaftspolitisch im Land weitergeht, ob morgen Bildung noch
zu bezahlen ist und was DIE LINKE im Land gegen die verheerenden Folgen von Hatz IV
zu unternehmen gedenkt. Eine Familienpolizei a la Christa Müller ist da so unnötig
wie ein Kropf und für die Partei nichts weiter als kontraproduktiv.

Um so verständlicher daher der bundesweite Widerstand innerhalb der LINKE gegen das
Konzept und die Empörung der Parteigremien gegen das trotzige Festhalten Müllers an
ihrem skandalösen Vergleich zwischen Genitalverstümmelung und Krippenerziehung.

„Der Vorstand des Ortsverbandes DIE LINKE. Blieskastel distanziert sich in aller
Klarheit von dem entsetzlichen Vergleich der familienpolitischen Sprecherin der
Saar-Linken Christa Müller, indem sie die Genitalverstümmelungen von Mädchen mit den
angeblich „seelischen Verstümmelungen“ von Kindern, die eine Kinderkrippe besucht
haben, gleichsetzt“, so ist auf der Internetseite des ländlich geprägten LINKE
Ortsverbandes Blieskastel im östlichen Saarland nachzulesen. Und so geht es quer
durch die Republik. In Niedersachsen distanzieren sich die Genossinnen und Genossen
von Christa Müller, ebenso wie in Schwerin, Oldenburg, Sachsen-Anhalt und Berlin.
Andere werden folgen, ja folgen müssen, um sich nicht in den Verdacht zu setzten,
das absurde und rückwärts gewandte Konzept Müllers zu akzeptieren, sowie deren
Äußerungen im Spiegelinterview gut zu heißen.