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“Der
Landtag des Saarlandes wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren“
Zum Tode des kommunistischen Landtagsabgeordneten
Erich Walch
Von Claude Michael Jung
Es wird nirgends soviel gelogen wie vor der Wahl, nach der Jagd und bei
der
Beerdigung. Zuweilen gilt dies auch für Todesanzeigen, wenn sie,
wie in diesem Fall,
vom CDU Landtagspräsidenten des Saarlandes Hans Ley in Auftrag gegeben
wurde. Zum
Tode des, am 8. März 2008 verstorbenen, ehemaligen Landtagsabgeordneten
der
Kommunistischen Partei des Saarlandes KPS, Erich Walch, ist Landtagspräsident
Hans
Ley, ein Salto Mortale der besonderen politischen Darstellungskunst gelungen.
Es hat schon etwas Ironie in sich, wenn Ley, in der Saarbrücker
Zeitung (Ausgabe vom
13 Februar) erschienenen Todesanzeige, den verstorbenen Erich Walch als
„fraktionslosen“ Abgeordneten, dessen Andenken der Landtag
ehrend bewahren wird,
bezeichnet. Erich Walch wurde fraktionslos gemacht und zwar von der damaligen
Christlichen Volkspartei CVP und der Sozialdemokratischen Partei des Saarlandes
SPS,
den Vorläufern der CDU im Bund mit den Sozialdemokraten. Der damaligen
großen
Koalition der strammen Antikommunisten waren die, im Jahre 1952, in den
saarländischen Landtag eingezogenen vier Abgeordneten der Kommunistischen
Partei des
Saarlandes KPS, darunter auch Erich Walch, mehr als nur ein Dorn im Auge.
Um ihre
Arbeit zu behindern wurde der Fraktionsstatus einer Partei mit der Mehrheit
von CVP
und SPS, mal eben per parlamentarischem Taschenspielertrick, von drei
auf fünf
Abgeordnete angehoben.
Damit jedoch nicht genug. Mit dem Verbot der KPS im Saarland - nachdem
am 17. August
1956 das KPD-Verbot in der BRD ausgesprochen war - am 9. April 1957, versuchte
der
saarländische Landtag den Parlamentsausschluss der beiden verbliebenen
Kommunisten
im Saar-Parlament Fritz Bäsel und Erich Walch, nun mit der Mehrheit
von CDU, SPD und
FDP durchzusetzen. Erwähnenswert an dieser Stelle ist, dass die Bundesrepublik
Deutschland neben dem faschistischen Spanien Francos das einzige westeuropäische
Land war, das Kommunisten aus dem politischen Leben verbannte. Walch und
Bäsel zogen
vor das saarländische Landesverfassunsgericht, welches den angestrebten
Parlamentsausschluss der beiden Abgeordneten durch die bürgerlichen
Parteien, denen
auch eine Reihe von ehemaligen NSDAP Mitgliedern angehörte, jedoch
für Null und
Nichtig erklärte.
Mit Verboten und Schikanen hatte Erich Walch, langjähriger Redakteur
und letzter
Chefredakteur der KP Zeitung „Neue Zeit“ umzugehen gelernt.
Dazu schreibt der
Historiker Luitwin Bies. „1950 wurden 17 Verbote mit einer Dauer
über fünfeinhalb
Monaten über die Zeitung verhängt. 1951 waren es acht Verbote
über acht Monate, 1952
acht Verbote über fünf Monate und neun Tage, 1953 zehn Verbote
für insgesamt sechs
Monate, 1954 vier Verbote über drei Monate und auch 1955 noch zwei
Verbote für die
Dauer von sechs Wochen“. Im Zuge des, im In- und Ausland umstrittenen
KP-Verbots,
wurde auch die „Neue Zeit“ nun gänzlich verboten. Auch
dies gehört zum ehrenden
Andenken des „fraktionslosen“ kommunistischen Landtagsabgeordneten
Erich Walch.
Bei all der, an den Tag gelegten „Trauer“ des Saar Landtages
und seines CDU
Präsidenten Hans Ley, über den Tod von Erich Walch, hätte
sich der Landtagspräsident
nichts dabei vergeben, die politische Heimat des Verstorbenen zu erwähnen.
Stattdessen gilt für die, ehemals mit alten Nazis durchsetzte Saar
CDU noch immer
die Denkweise des kalten Krieges. Wenn die Kommunistenhatz schon abgeblasen
ist, so
das Resümee aus dem Salto Mortale des Landtagspräsidenten Ley,
müssen sie eben aus
der Geschichte des Saarlandes verbannt und totgeschwiegen werden.
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