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Stadtzeitung Saarbrücken

Zwischen Ablasshandel und Klimaschutz
WWF-Studie vergleicht Standards bei CO2-Kompensation


Berlin (sk) - Das Geschäft mit dem Klima boomt. Besonders beliebt sind so genannte
Kompensationszahlungen, mit denen Firmen und Privatpersonen ihre „Klimasünden“ durch
freiwillige Zahlungen ausgleichen können. Das Geld fließt in Projekte in aller Welt.
Da es für das Weltklima egal ist, an welchem Ort die Treibhausgase reduziert werden,
klingt die Idee verlockend, zumal mit den gleichen Investitionen in
Entwicklungsländern oft weit größere Effekte erzielt werden können. Soweit die
Theorie. In der Praxis weist das Modell allerdings erhebliche Lücken auf. Im Auftrag
des WWF haben Wissenschaftler des Umweltinstituts Stockholm und Tricorona die
gängigsten Systeme unter die Lupe genommen. „Die Studie hat eindeutig das beste
Siegel identifiziert: den so genannten „Gold Standard.“, so WWF-Klimareferentin
Juliette de Granbdpré. Das Siegel garantiere, dass die Projekte nur dank der
zusätzlichen Gelder aus dem Kompensationsverfahren entstehen. Die lokale Bevölkerung
ist stets eng in die Projektentwicklung eingebunden, so dass die Projekte auch der
nachhaltigen Entwicklung dienen. Zudem akzeptiert der Gold Standard nur Projekte aus
den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz, denn nur die tragen dazu
bei, dass Entwicklungsländer in Zukunft weniger auf die Klimakiller Kohle, Öl und
Gas setzen.

Bei den anderen untersuchten Standards sind diese Kriterien oft nicht erfüllt. So
erfordern mehrere der untersuchten Standards, etwa das Voluntary Carbon Standard
(VCS), Chicago Climate Exchange (CCX), oder VER+ nicht, dass das geförderte Projekt
zur nachhaltigen Entwicklung beiträgt. Auch Technologien, die langfristig nicht zu
einer kohlenstoffarmen Wirtschaft führen oder hohe negative Umweltauswirkungen haben
wie z.B. Atomenergie oder große Wasserdämme sind in anderen Standards zugelassen.
Auch Waldprojekte seien für Kompensationsprojekte bislang schwierig. Wenn eine
Anpflanzung abbrenne, sei der Klimaschutzeffekt dahin. Ähnlich schwierig ist es,
wenn Holzkonzerne zwar bestimmte Wälder verschonen stattdessen aber in anderen
Gegenden abholzen. Auch das bringe für den Klimaschutz nichts. Trotzdem vergeben der
Voluntary Carbon Standard (VCS) oder das Siegel Climate, Community and Biodiversity
Standards (CCBS) Kompensations-Zertifikate, deren Dauerhaftigkeit nicht gesichert
ist.

Der Kompensationsmarkt leide insgesamt darunter, dass es kein einheitliches, sondern
eine Reihe konkurrierender Angebote sehr unterschiedlicher Qualität gebe, heißt es
im Vergleich des WWF. Wer z.B. die Emissionen seines Urlaubsflugs kompensieren
wolle, sollte daher genau die Projektbeschreibungen des Anbieters studieren.
Mindestens genauso wichtig wie die Auswahl eines seriösen Anbieters ist nach Meinung
des WWF, dass Verbraucher CO2-Kompensation nur als Ergänzung nutzen. Kompensation
dürfe nie eigene Reduktionsbemühungen ersetzen. „Erst vermeiden und verringern, dann
kompensieren.“, betont Juliette de Grandpré. „Nur wer seinen Geländewagen durch
einen kleineren Wagen ersetzt hat und möglichst oft auf das Fahrrad umsteigt, sollte
ans Kompensieren unvermeidbarer Fahrten denken.“

Der WWF mahnt zudem die korrekte Ermittlung der Emissionsbilanz an. Gerade im Fall
von Fluglinien sei das ein Problem. Oft werde so getan, als ob eine Tonne CO2 aus
einem Flugzeug den gleichen Klimaeffekt habe, wie eine Tonne CO2 aus einem Auto.
Tatsächlich haben Treibhausgase, die in großer Höhe ausgestoßen werden, mindestens
einen um das 2,7-fache stärkeren Klimaeffekt. Diesen Faktor, sollten CO2-Rechner auf
jeden Fall berücksichtigen.