| Sterben
bei der Arbeit
Jährlich 160.000 Tote
in EU durch arbeitsbezogene Ursachen
Brüssel (sk) - In einer gemeinsame Anhörung
der Linksfraktion (GUE/NGL) und der
sozialdemokratischen Fraktion (PES) des Europäischen Parlaments mit
dem Titel
"Sterben bei der Arbeit“: Tödliche Unfälle und Schutz
am Arbeitsplatz - Der Fall von
ThyssenKrupp Turin", diskutierten Abgeordnete mehrerer Fraktionen
die
Arbeitsschutzmaßnahmen innerhalb der EU. Die Parlamentarier kamen
zu dem Ergebnis,
dass eine EU-weite Koordinierung von Arbeitsschutznormen, bessere Kontrollen
in den
Mitgliedsstaaten selbst die Situation verbessern würde.
Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation
(IAO) starben im Jahr 2006 mehr
als 160.000 Menschen in der EU durch arbeitsbezogene Ursachen. Der Willmott
Bericht
über die Gemeinschaftsstrategie für Gesundheit und Sicherheit
am Arbeitsplatz hatte
bereits 2007 bessere Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen verlangt.
Die
Forderungen des Berichts wurde allerdings mit den Stimmen von Konservativen
und
Liberalen wieder "entschärft". Für die Abgeordnete
der Linksfraktion Gabi Zimmer
offenbart diese dramatische Zahl die Notwendigkeit für einen EU-weit
koordinierten
Arbeitnehmerschutz sowie stärkere Kontrollen in den Mitgliedsstaaten.
"Es darf nicht
sein, dass Unternehmen lediglich Selbstverpflichtungen zum Schutz von
Leben und
Gesundheit der in ihren Unternehmen beschäftigten Arbeitnehmer und
Arbeitnehmerinnen
eingehen. Wir brauchen hier klare Rechtsvorschriften, die dann auch kontrolliert
und
umgesetzt werden", so die Thüringerin.
Am 6. Dezember 2007 waren bei einem Feuer im Werk
der ThyssenKrupp AG in Turin 7
Arbeiter verbrannt und andere zum Teil schwer verletzt worden. Der Chef
von
ThyssenKrupp in Italien, Harald Espenhahn, muss sich nun vor Gericht verantworten.
Er ist angeklagt wegen "Mordes mit eventuellem Vorsatz". Nach
Informationen von
Annalisa Lantermo von der regionalen Gesundheitsbehörde Turins, waren
selbst
Mindeststandards von den Betreibern vor Ort nicht eingehalten worden.
Die
Belegschaft sei nicht über vorhandene Risiken im Arbeitsablauf informiert
und für
Arbeitsschutz verantwortliche Leitungskräfte seien entlassen oder
umgesetzt gewesen,
so die Vertreterin der Behörde. Ölverdreckte Maschinen, beschädigte
oder fehlende
Feuerlöscher sowie das Fehlen von Notfallplänen hätten
die Situation zur
Katastrophe eskalieren lassen.
Aber auch prekäre Arbeitsverhältnisse
wurden von Vittorio Agnoletto,
Europaabgeordneter der Linksfraktion, als ein Risikofaktor identifiziert.
"Bei
Zeitverträgen die teilweise auf nur 6 Monate befristet sind, ist
es gar nicht
möglich, Arbeitnehmer effektiv zu schulen und eine sichere Arbeitsatmosphäre
zu
garantieren. Arbeitsplätze werden abgebaut um die Profite zu steigern,
welche dann
in die Taschen der Aktionäre fließen. An der Sicherheit für
die Arbeitnehmer wird
hingegen gespart", erzürnte sich der Abgeordnete.
Die Abgeordneten waren sich darin einig, dass das
bestehende europäische Regelwerk
zusammengefasst und vereinfacht werden müsse. Das Hauptproblem sei
jedoch nicht das
Fehlen von Gesetzen, sondern die unzureichende Umsetzung durch die Konzerne
und eine
effektive Kontrolle durch die Mitgliedsstaaten.
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