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2.10.2011 Migrantinnen und Migranten in Leiharbeit - Moderne Lohnsklaven in der Deutschland AG - 2011

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Faktenauszug

»MigrantInnen sind weitaus stärker von Arbeitslosigkeit betroffen, als die einheimische Bevölkerung: Im Oktober 2009 lag die Arbeitslosigkeit bei AusländerInnen bei 15,2 %, bei Deutschen hingegen bei 5,8 % {...}.

Dies liegt zudem darin begründet, dass sie nur über eingeschränkte Zugangsrechte zum Arbeitsmarkt verfügen (Vorrangprinzip) und ihre Bildungsabschlüsse nur bedingt anerkannt werden {...}.

In wieweit {...} eine wirkliche Verbesserung eintritt oder ob nur jene Abschlüsse anerkannt werden, in denen derzeit ein Mangel besteht, (z.B. Pflegeberufe), bleibt abzuwarten.

Die anhaltende Wirtschaftskrise trifft MigrantInnen im Besonderen, da sie überdurchschnittlich häufig in Branchen (z.B. Bau, Gastgewerbe) tätig sind, die anfällig für Konjunkturschwankungen und damit von der Rezession betroffen sind {...}.

Insbesondere türkische MigrantInnen {...} sind von der fragilen Situation am Arbeitsmarkt betroffen, da sie im Durchschnitt über ein geringeres Qualifikationsniveau verfügen und mit 30 % den größten Anteil an Personen ohne Bildungsabschluss aufweisen {...}, gefolgt von den nicht-deutschstämmigen Jugendlichen aus dem osteuropäischen oder asiatischen Raum {...}.

Besser qualifiziert zeigen sich die Nachkommen von AussiedlerInnen; ihr Anteil an den AbiturientInnen lag im Jahr 2006 bei 28 %, der Anteil der türkischen MigrantInnen hingegen nur bei 16 % (bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund bei 36 % {...}).

Nur 3,3 % der jungen AussiedlerInnen haben gar keinen Bildungsabschluss {...} und viele AussiedlerInnen der ersten Generation reisten bereits gut qualifiziert in die Bundesrepublik ein. -

Da ihnen jedoch ihre Berufs- und Schulabschlüsse häufig nicht anerkannt wurden, leiden sie heute ebenfalls unter einem höheren Arbeitslosigkeitsrisiko.

Generell sind Menschen mit Migrationshintergrund stärker von Arbeitslosigkeit bedroht als Einheimische, da sie unabhängig von ihrer Herkunft überwiegend in statusniedrigeren Beschäftigungen tätig sind {...}.

Sinkende Arbeitslosigkeit und Boombranche Leiharbeit

{...} Erst als die Lockerungen von Leiharbeitsverhältnissen zu greifen begannen, sanken die Zahlen stetig (2007: 9,0 %, 2008: 7,8 %) {...}. Politisch wurde die Deregulierung damit als Erfolg gewertet.

Die nicht standardisierte Beschäftigungsform Leiharbeit verzeichnete bereits über die vergangenen 15 Jahre hinweg einen stetigen Anstieg, wie die Zahl der Leiharbeit deutlich macht.

Vom 2. Quartal 2001 bis zum 4. Quartal 2005 wuchs die Leiharbeit um 36 %, vom 1. Quartal 2006 bis zum 3. Quartal 2008 nochmals um 61,9 % auf 794.000 Personen {...}. -

Parallel dazu stieg auch die Zahl der Verleihbetriebe von 1.264 im Jahr 1973 auf 25.165 im Dezember 2008 {...}.

Leiharbeit hat hohe Fluktuationsrate

Auffallend ist, dass diese Boombranche eine sehr hohe Fluktuationsrate aufweist: Vom 1. Quartal 2006 bis 3. Quartal 2008 steht einer Einstellungsrate von 36,5 % eine Beendigungsrate von 32,7 % gegenüber [R.S.: Demaskierung des BDA-Hundschen und Leihenschen ideologisch-psychologischen Geschwätz.] {...}, d.h., jedes dritte Beschäftigungsverhältnis wurde innerhalb eines Quartals neu begonnen oder beendet. {...}

Vor allem im Hilfskräftebereich, in dem besonders viele MigrantInnen arbeiten, ist die Umschlagshäufigkeit besonders hoch {...}.

{...} Unternehmen setzen Leiharbeit als strategisches Instrument der Profitsteigerung ein, indem sie LeiharbeitnehmerInnen dauerhaft beschäftigen und es auf funktionaler, arbeitstechnischer (jedoch nicht auf sozialer) Ebene zu einer Verflechtung von Stamm- und Leiharbeitskräften kommt. -

Damit wird für gleiche Arbeit ein ungleicher Lohn bezahlt, es entstehen Belegschaften erster und zweiter Klasse, Tarifverträge werden unterlaufen und die Mitbestimmung reduziert. -

Gerade Branchen mit hohen Tariflöhnen (Metall-/Elektroindustrie, Druckindustrie) greifen vermehrt zu Leiharbeit {...}.

Wie Unternehmen LeiharbeiterInnen sowohl als „Adhoc-Ersatz“ wie auch als „Flexibilitätspuffer“ einsetzen, um ihre Lohnkosten zu reduzieren indem sie die Kosten für Personalersatz minimieren oder beim Anstieg des Auftragsvolumens Festanstellungen umgehen, konnte die Studie „Funktionswandel von Leiharbeit“ (Dörre/Holst/Nachtwey 2009) zeigen. -

Abrechnung von Leiharbeit als Materialkosten

Dass in einigen Firmen die Kosten für Leiharbeit nicht über Personalkosten, sondern über Materialkosten abgerechnet werden, mag aus bilanztechnischen Gründen zur Attraktivität dieses Instrumentes beigetragen haben. {...} [Vgl. Quelle.]

Leiharbeit mit verheerenden Folgen

{...} Bei genauer geographischer Zuordnung finden sich jedoch Regionen und Städte mit einem hohen Anteil von industrieller Produktion, welche weitaus höhere Leiharbeitsquoten aufweisen, z. B.: Ansbach 11,6 %, Wolfsburg 10,4 %, Landshut 8,8 %, Zwickau 8,2 % {...}.

Durch die Trennung des arbeitsplatzbezogenen Weisungsrechts (Entleihbetrieb) und der Entlohnungs- und Sozialversicherungspflicht (Verleiher) ergeben sich erhebliche Benachteiligungen für ArbeitnehmerInnen [- Lohnarbeiter und Lohnarbeiterinnen] in Leiharbeit. -

Eine Auswirkung dieser Aufspaltung ist z. B., dass sich für LeiharbeitnehmerInnen [...] generell weniger Chancen eröffnen, soziale Kontakte zu KollegInnen und Vorgesetzten zu pflegen {...}. -

Ein Interviewpartner berichtet, dass einige Dauerleiharbeiter zwar seit mehr als acht Jahren im Betrieb beschäftigt seien, aber bei einem Betriebsfest dennoch nicht eingeladen würden. {...}

Für viele Arbeiter/innen [im Text ‘-nehmer-’] mit Migrationshintergrund ist die Ausübung von Leiharbeit mit zusätzlichen Risiken verbunden. Leiharbeitsverträge (mit Zusatzartikeln für Fahrgeld, Essenszuschuss) gelten als gemeinhin sehr kompliziert und sind bereits für Muttersprachler schwer zu verstehen. -

Trotz sehr hoher Quoten von MigrantInnen im Hilfskräftebereich finden sich nahezu keine Arbeitsverträge, die in weitere Sprachen übersetzt sind. -

Die Trennung der Zuständigkeit führt dazu, dass Leiharbeitskräfte bei Nachfragen mit Verweis auf den jeweils anderen Arbeitgeber hingehalten werden. {...} Die sprachliche Hürde führe letztlich auch zur Erhöhung des Unfallrisikos für MigrantInnen.

Fehlende Kompetenzentwicklung

Für gering Qualifizierte und insbesondere für junge MigrantInnen stellt Leiharbeit langfristig eine Sackhasse dar {...}. -

Es scheint, als nutzten deutsche Leiharbeitsfirmen nur bereits vorhandene Potentiale, seien aber an betrieblicher Kompetenzentwicklung kaum interessiert {...} -

Die Aussage einer langjährigen Personaldisponentin (IP 2) gibt Einblick:

„Wir senden die Leiharbeitskräfte nicht auf Weiterbildung. Ich sehe das bereits als Weiterbildung, dass die Leiharbeiter verschiedene Firmen kennenlernen und wir mit ihnen über die dortigen Erfahrungen nach dem Einsatz sprechen. So können sie ihre Konfliktfähigkeiten ausbauen.“

{...}

Es ist nicht der derzeitigen wirtschaftlichen Lage geschuldet, dass die Leiharbeit kaum eine Brückenfunktion in den 1. Arbeitsmarkt übernimmt {...}, sondern sie ist, wie in dem süddeutschen Druckereibetrieb, in vielen Firmen bereits eine Dauereinrichtung: „Wir haben hier seit mehr als acht Jahren keinen Leiharbeiter mehr in die Stammbelegschaft übernommen.“ (IP1)

MigrantInnen gefangen {...}

Ein Großteil der MigrantInnen, die in Leiharbeit tätig sind, gilt aufgrund fehlender oder nicht anerkannter Berufsabschlüsse als Geringqualifizierte. Aus arbeitsökonomischer Sicht und im Lichte des „Job-Competition-Modells“ {...} konkurrieren Leiharbeitskräfte nicht um Löhne, sondern um Arbeitsplätze.

Ohne Chancen auf Weiterbildung {...} verbleiben MigrantInnen langfristig am unteren Level der Beschäftigungshierarchie (jedermanns-Arbeitsmarkt, Auffangbeschäftigungen) und finden nur schwer Anschluss an den 1. Arbeitsmarkt. -

Die Unternehmer [- ‘Arbeitgeber’= falsch im Text. R.S.] hingegen sind in der komfortablen Situation, sich aus einer Vielzahl von BewerberInnen die geeignetsten Personen zu den niedrigsten Kosten auswählen zu können {...}. Gerade in konjunkturschwachen Zeiten befinden sich die Arbeitsanbieter (Leiharbeits- und Entleihfirmen) auf einem Nachfragemarkt.

Die Nachfrage verschärft sich in dem Maße, wie der für MigrantInnen behördliche Druck zu arbeiten [R.S.: Arbeit für jeden Preis] einerseits zunimmt, andererseits die unterschiedlichen Tarifverträge der Zeitarbeitsfirmen noch Spielräume nach unten zulassen, indem auch Arbeitsaufträge als Werkverträge kompakt an Zeitarbeitsfirmen vergeben werden. {...}

Die Konkurrenz um vakante Positionen in dem von MigrantInnen stark besetzten Hilfskräftesegment wird häufig als Druckmittel eingesetzt {...}:

„Es gibt immer Probleme mit der Abrechnung, die Stundenzahl stimmt eigentlich nie. Mein Chef zwingt mich, dass ich Krankentage als Urlaub eintrage. Mache ich dies nicht, dann gibt’s Ärger. Die Folge davon ist, dass ich jetzt schon Minus-Urlaubstage für nächstes Jahr habe. Aber er weiß auch, dass ich aus Angst nie zum Arbeitsgericht gehen würde.“

Sowohl die Arbeitsplätze als auch die Bewerber werden kategorisiert und in „Warteschlangen“ gelistet, wobei Sprachkenntnisse und körperliche Leistungsfähigkeit dabei eine wichtige Kategorie darstellen {...}. Dies schließt andererseits nicht aus, dass Entleihfirmen eine ethische Segmentierung am Arbeitsplatz auch begrüßen. {...} Der stetige, für entliehene Hilfskräfte typische Arbeitsplatzwechsel, erschwert die soziale Kontaktfindung zusätzlich [- erwünscht].

Besonders von Dequalifizierung betroffen sind akademisch gebildete MigrantInnen {...}, deren Berufsabschlüsse nicht anerkannt werden, und die häufig als Hilfskräfte in Leiharbeit tätig sind. {...} Der Mangel an institutionalisiertem Kapital {...}, das den MigrantInnen den Zugang zu qualifizierten Tätigkeiten verwehrt, lässt sie unfreiwillig bisherige Arbeitsstandards unterwandern, da über ihnen ständig die strukturelle Gewalt der Arbeitslosigkeit schwebt. {...}

Ihre Wut über die Ungleichbehandlung und die damit einhergehende Diskriminierung richten sich vielmehr gegen ihre Leiharbeitsfirma und bisweilen auch gegen andere Migranten-Gruppen [- die vom Kapital erwünschte un-soziale Hackordnung in den Reihen der Diskriminierten und Unterbezahlten. R.S.].

Fazit

[Auszug] {...}

Leiharbeit ist für sehr viele nicht nur ein Arbeitsmarkt von finanzieller, sondern auch von sozialer Prekarisierung. Dass viele MigrantInnen durch die Behörden dazu gedrängt werden, eine Beschäftigung als Hilfskraft in einer Leiharbeitsfirma anzunehmen, erzeugt Wut und Resignation und {...} erschweren die durch die Leiharbeit bedingten geringeren finanziellen Mittel ihnen und ihren Familien eine gleichberechtigte Teilhabe an gesellschaftlichen, kulturellen und sportlichen Aktivitäten [- so analog auch im ‘offenen’ Hartz-IV-Vollzug. R.S.]. -

Ebenso zieht eine fehlende Anerkennung seitens der Mehrheitsgesellschaft einen Rückzug in die eigene ethische [und soziale] Gruppe nach sich, da diese Sicherheit „Ethnie als Stützidentität“ {...}, Anteilnahme und Wertschätzung vermittelt. {...}«

[Ein Quellenauszug. Bitte vollständig lesen.]

Quelle vgl.: Otto Brenner Stiftung. Neue Spaltungslinien am Arbeitsmarkt - MigrantInnen in Leiharbeit. / “Integration oder ein Weg in die Exklusion? MigrantInnen in Leiharbeit“. Von Dr. Sandra Siebenhüter. In: Migration und Soziale Arbeit, Heft 1/2011, ISS Frankfurt, S. 71-76.
http://www.otto-brenner-kompakt.de/fileadmin/user_data/kompakt/dokumente/
Beitrag_Migration_Siebenhueter.pdf

2.10.2011 Reiche werden immer reicher, Arme immer ärmer

Ohne Umwälzung bleibt der Reichtum wo er ist!

von Reinhold Schramm

Millionäre: Der staatlich und juristisch geschützte Reichtum aus Ausbeutung, Spekulation und Plünderung bleibt hier.

»Auch in zehn Jahren werden die USA das Land mit den meisten Reichen sein - obwohl die Vermögenszunahme der Millionärshaushalte in Indien und China am stärksten ist.«

(BILANZ 13/2011)

Reichtums-Liste: 2011 - 2020
(Entwicklung ohne Soz. Rev.)

Quelle: Deloitte Analysis and Oxford Economics / R.S.

Eine Studie von Deloitte zeigt, bei Fortschreibung der bestehenden kapitalistischen und imperialistischen (- privaten-) Eigentums- und Vermögensverhältnisse werden auch im Jahr 2020 die meisten Dollarmillionäre (bzw. Euro und/oder Yuan - Millionäre etc.) in Europa und den USA zu finden sein.

Das private Vermögen der Reichsten bzw. reichsten Haushalte wird sich in den untersuchten 25 Ländern von heute 92.000 Milliarden Dollar auf 202.000 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. (- von 92 Billionen US$ auf 202 Billionen US$)

43 Prozent davon bzw. 87.000 Milliarden Dollar (87 Billionen US$) werden allein in den imperialistischen USA zu finden sein.

Quelle: Das Schweizer Wirtschaftsmagazin BILANZ 13/11 - 01.07.2011
Vgl.: www.bilanz.ch/konjunktur/millionaere-das-geld-bleibt-hier