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Wie eine Saargemeinde gegen den Kindersegen kämpft - Kleinblittersdorfer Bürgermeister ist am Untergang seiner Gemeinde schuld

Von Gisbert Spränzer


Im Südwestzipfel des Saarlandes, direkt an der französischen Grenze liegt die
märchenhafte Gemeinde Kleinblittersdorf. Einst baute man hier dem Klapperstorch aus dank für den reichlichen Kindersegen sogar einen Brunnen zur Labsal nach den
geleisteten Diensten. Der Kindchesbrunnen in der Ortsmitte, ganz in der Nähe der
Pfarrkirche Sankt Agatha, wurde für Adebar und seine rotbeinigen Freunde zum
Treffpunk für die Kinderbringer, Frühlingsboten und Glücksvögel. Auch diente der
Kindchesbrunnen für Adebar als Nachrichtenquelle. Hier erfuhren die Störche während
ihrer Rast zumeist, wen sie als nächstes beglücken konnten. „Wer will nochmal, wer
hat noch nicht“, das war die Frage über die stundenlang bei köstlich kühlem Wasser
geklappert wurde. Manchmal leisteten sich die Störche, sehr zur Unmut des Pastors,
auch mal einen derben Scherz. Sie lieferten ihre zappelnde Fracht am Bettchen so
mancher Jungfrau ab und machten diese zur staunenden Mutter. Trotzdem,
Kleinblittersdorf wuchs und wuchs, die emsigen Störche bescherten der Gemeinde aus Dank über den schattigen Platz am Kindchesbrunnen, selbst in schlechten Zeiten,
stets einen reichlichen Kindersegen.

Doch damit scheint nun Schluss zu sein. Der diesjährige Kindersegen bleibt in der
Gemeinde jedenfalls aus. Schuld daran ist ein leichtfertig aufgestelltes
Umleitungsschild vor dem Kindchesbrunnen, das quasi einem Landeverbot für Meister Adebar gleichkommt. Seit vielen Wochen wurde hier kein Storch mehr gesehen, beklagen Anwohner, Tierfreunde und junge Paare, die sich dringend ein Baby wünschen und nun auf den Erfolg von Fruchtbarkeitstänzen hoffen müssen.

Kleinblittersdorfer Hobby-Ornithologen wollen beobachtet haben, dass die Störche die plötzliche Ausweisung zu akzeptieren scheinen und statt den heimischen
Kindchesbrunnen, das nur knapp hundert Meter entfernte Grosbliederstroff in
Frankreich anfliegen. Dort sind die Störche, vor allem aber ihre Fracht hoch
willkommen. Ohne die ständigen Lieferungen der Klapperstörche wird Kleinblittersdorf aber schon bald zum Geisterdorf werden.

Die ganze missliche Lage verdanken die Kleinblittersdorfer der Ortskernsanierung und der damit verbundenen Großbaustelle. Wer das storchenfeindliche Verkehrsschild jedoch aufgestellt hat ist völlig unklar. Es wird in der Gemeinde gemunkelt, der gerade mit satter Mehrheit wiedergewählte, parteilose Bürgermeister Stephan Striechertz, hätte wie immer die Alleinschuld am gesamten Übel. Andere behaupten, das Standesamt sei mit der Registrierung der Geburten überlastet gewesen und hätte mal eben das Landeverbot für Meister Adebar und seine Kollegen erteilt. Ganz böse Zungen schieben gar dem Karnevalsverein oder dem Bauamt den Untergang der Gemeinde in die Schuhe.

Wie von Experten in einer Kneipe zu erfahren war, wird damit gerechnet, dass das
Umleitungsschild am Kindchesbrunnen noch mindestens zehn Jahre dort bleiben wird.
Dann soll sowohl die Ortskernsanierung fertiggestellt, als auch die Lust aufs
Kinderkriegen wiedergekehrt sein und der Kindchesbrunnen könnte erneut zum
Tummelplatz für Adebar und seine Kollegen werden. Ob die Störche jedoch jemals
wieder in Kleinblittersdorf einkehren werden ist fraglich.

Einem Gerücht zufolge, soll zwar im Rahmen der Ortskernsanierung sogar eine
mehrspurige, kreuzungsfreie Fahrbahn für Kinderwagen gebaut werden, ob diese
Maßnahme allerdings ausreicht die vertriebenen Störche wiederkehren zu lassen, steht
in den Sternen.