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Opel und Arcandor wollen fusionieren
Corsa
statt Corsage bald schon im Sommerschlussverkauf
Von Claude Michael Jung
Der Pleitegeier ist entsetzt, in letzter Sekunde
hat sich die fette Beute noch
einmal hochgerappelt. Den Karstadt-Kaufhäusern geht es Medienberichten
zufolge weit
besser als bisher bekannt. Der operative Gewinn der Warenhauskette habe
in den
ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahrs bei rund sieben
Millionen Euro
gelegen, wird berichtet. Noch einmal schnell bei den Gehältern der
Belegschaft
abmelken und dann fix beim angeschlagenen Autobauer Opel das Lenkrad übernehmen.
Mit
diesen Plänen sind heute führende Wirtschaftswissenschaftler
und Manager des
Deutschen Instituts für kreatives Wirtschaften (DIkW) an die Öffentlichkeit
gegangen.
Laut Professor Korbinian Pleitier, der die Fusion
zwischen Arcandor und Opel als
zwingend notwendig erachtet um doch noch an Staatsknete zu kommen, wird
es so
gelingen, aus zwei Halbtoten einen kerngesunden Muskelprotz zu machen.
Die
Frankfurter Börse reagierte mit einem positiven Schock auf die Meldung.
Der Deutsche
Aktienindex Dax schlug ein halbes dutzend Purzelbäume sowie einen
dreifachen
Rittberger. Die Gewerkschaften sprachen von einem Sieg der Vernunft, und
Deutschlands Wirtschaftsbaron zu Guttenberg konnte kaum das Wasser an
sich halten
angesichts der wunderbaren Rettung der beiden angeschlagenen Konzerne.
Vor ihrem
Spiegel im Kanzleramt soll Deutschlands Regentin Angela Merkel sogar mit
tief
bewegter Stimme gewispert haben, sie habe immer gewusst, dass die freie
Marktwirtschaft über selbstheilende Kräfte verfüge und
in der Lage sei, jede Krise
zu überwinden. Selbst Guido Westerwelle (FDP), selbsternannte Freiheitsstatue
dieser
Republik, soll geraunt haben, dass die Wirtschaft ohne den Staat jedes
Wunder
schafft.
Jetzt heißt es in den Karstadt Filialen Platz
zu schaffen für die neuen
Schlussverkaufsmodelle von Opel. Da müssen schon mal Krawatten und
Damen- Dessous in
die Schreibwarenabteilung umziehen, um genügend Verkaufsfläche
für Corsa, Astra,
Insignia und Co. zu schaffen. Personal muss umgeschult werden, damit König
Kunde
während des Shoppings seine Karosse gleich mal zur Inspektion geben
kann. Aber auch
die Opelhändler sollen von dem Superdeal profitieren. Sie sollen
neben Alufelgen und
Doppelauspuff auch Freizeitklamotten für den sportlichen Opelfahrer
anbieten. Die
passende Halskette oder das Diadem für die Opelfahrerin von Welt
soll ebenso ins
Sortiment kommen wie Stöckelschuhe und modische Bremsbeläge
in original
Spoilerlackierung.
Durch die Initiative des Deutschen Instituts für
kreatives Wirtschaften (DikW) ist
wieder Licht am Ende des Krisentunnels zu sehen. Selbst die Angst vor
russischen
oder chinesischen Investoren ist gebannt und damit die Gefahr vom Tisch,
in
Nowosibirsk oder Schanghai Modelle wie den Opel Ural (Kombiversion mit
Allradantrieb) beziehungsweise den Opel Sheng-Pfui (Nachfolger des Manta)
produzieren zu müssen. Dank der geballten Kampfkraft der Gewerkschaften
liegt sogar
ein Hauch von Sozialismus über der größten Fusion aller
Zeiten in der deutschen
Wirtschaftsgeschichte. Arcandor- und Opel- Mitarbeiter profitieren künftig
gemeinsam
von dem durch die Tarifpartner eilends ausgehandelten Mindestlohn.
Mittels der durch das DikW eingeleiteten Kernfusion
zwischen Opel und Arcandor
werden ungeahnte Energien freigesetzt. Der neu entstandene Großkonzern
gilt als der
derzeit modernste Kernfusionsreaktor mit Chancen, eine Kettenreaktion
bei der
ansonsten stark gebeutelten Wirtschaft auszulösen. Analysten rechnen
nicht damit,
dass es schon bald zu einer Kernschmelze und damit zum Supergau kommt,
jedenfalls
nicht vor der kommenden Bundestagswahl. Wie es heißt, soll dann
jedoch eine weitere
Fusion die Lösung bringen. Aus Opel-Arcandor wird dann die Deutsche
Hartz IV-
Automobil und Kaufhaus AG hervorgehen, ebenfalls mit garantierten Mindestlöhnen,
nicht unter einem Euro.
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