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Der
Heilige Rock soll's bei der SPD richten - Tunika
Christi ist immer noch spendabel
Von
Claude Michael Jung
Um nicht der Konkurrenz aus der Abtei Prüm, dort
waren die Sandalen Christi (Gr. 41)
eingelagert, hinterherzuhinken, beschloss das Trierer Dom-Marketing ebenfalls
neue
Wege im Wallfahrttourismus zu begehen. Am 1. Mai 1196 war es soweit. Erstmals
wurde
das Gewand Christi im Trierer Petersdom einer staunenden Öffentlichkeit
vorgestellt.
Vorausgegangen waren lange Studien über die vorherrschende Mode in
Palästina zu
Lebzeiten des Herrn Jesus. Einem Ritter des Templerordens, der im Heiligen
Land auf
den Spuren des Heilands gewandelt war. verdanken die Domherren zu Trier
das
Schnittmuster des Heiligen Rocks, so wie die Welt ihn heute kennt.
Ein jüdischer Schneider aus Echternach soll
nach einer alten Überlieferung den grob
gestrickten Minirock nach den Maßen seiner Tochter in der Konfektionsgröße
38 voll
waschbar sowie knitter und bügelfrei angefertigt haben. Für
die damalige Zeit war
das Prachtstück der Haute-Couture bereits das erste Wunder, dem im
Verlauf der
Jahrhunderte weitere folgen sollten. Wallfahrten zum ausgestellten Heiligen
Rock
inclusive großer Volksfeste und Wunderheilungen fanden bisher in
den Jahren 1513,
1514, 1515, 1516, 1517, 1524, 1531, 1538, 1545, 1655, 1810, 1844, 1891,
1933, 1959
und 1996 statt. Im Jahr 1517 wurde sogar die wundersame Heilung eines
lahmen Pferdes
gefeiert, berichtet ein zeitgenössischer Chronist unter Berufung
auf einen Gastwirt
der alten römischen Moselstadt.
Sogar Karl Marx, der große Sohn Triers, soll
1844 den Heiligen Rock gemeinsam mit
seiner Frau Jenny aufgesucht haben. Das von Marx verfasste Kommunistische
Manifest
sowie die sieben Kinder, die aus der Ehe mit Jenny hervorgingen, sind
allerdings
nicht auf ein Wunder des Heiligen Kittels zurückzuführen. Eine
derartige Behauptung
würde auch die Heilige Mutter Kirche bis auf' s Messer bestreiten,
sagte Kardinal
Michelangelo Despoti anlässlich seines Besuchs der diesjährigen
Heilig- Rock- Tage
auf den Stufen der Porta Nigra.
Das letzte Wunder, das der heilige Rock gestiftet
haben soll, fand im Jahr 1996
statt. Mit einem Pilgerzug aus der saarländischen Landeshauptstadt
Saarbrücken war
auch der Thekenphilosoph Max Flabbes in Trier gestrandet. Im Dom flehte
Flabbes den
Rock inständig an, er möge ihm ein kühles Pils bescheren.
Noch ehe der
Thekenphilosoph die Domstadt wieder verlassen hatte, erschien ihm im Engelsgewand
sein verstorbener Kumpel Theo und spendierte ihm gleich dutzendfach die
köstlich
prickelnde Labsal. Noch vom Pils verklärt, opferte Max Flabbes der
bügelfreien
Reliquie eine Kerze und sich selbst eine Flasche aspirinangereichertes
Mineralwasser
zur Rekonvaleszenz seines lädierten Gesundheitszustandes.
Derzeit scheint die mittelalterliche Klamotte bei
Politikern hoch im Kurs zu stehen.
Die ehemalige Fürther CSU- Landrätin und gerade eben aus der
Landtagsfraktion der
Freien Wähler Bayerns geschasste Gabriele Pauli soll angeblich über
eine Pilgerreise
nach Trier nachdenken. Der Heilige Rock möge Pauli die Erleuchtung
zu einem
Parteiprogramm für die von ihr noch zu gründende Gabi-Spass-Partei
(GSP)
eintrichtern, war zu hören. Zum Dank für das Wunder will Pauli
sich vor dem Dom zu
Trier bei Blende acht und mit 1/125tel Sekunde Verschlusszeit im wollenen
Leibrock
Christi ablichten lassen, so der Hoffotograf der bayrischen Action- und
Polit-Künstlerin.
Wie aus der SPD bekannt wurde, wollen vor der anstehenden
Bundestagswahl auch die
Genossen der Bosse noch schnell zum Wams des Heilands nach Trier pilgern
und das
Gewand in einer Privataudienz um Befreiung von der Schwindsucht ihrer
Partei
anflehen. Parteichef Müntefering soll schon den Kniefall vor dem
wundertätigen
Unikat der mittelalterlichen Konfektionskunst geübt haben, berichtet
der in
Saarbrücken erscheinende Neue Pfaffenspiegel. Wie das Blatt weiter
schreibt, stößt
der geplante Pilgerzug der Sozen beim hohen Klerus zu Trier allerdings
auf wenig
Sympathie. Dort befürchtet man eine Mottenplage, die dem wundertätigen
Smoking des
Herrn schwere Schäden zufügen könnte, sollten die Sozen
rudelweise in die
Heilig-Rock-Kapelle einfallen.
Um doch noch in die späte Gnade der Genesung
zu gelangen, sollten die Sozis statt
nach Trier besser in das saarländische Oberlimberg pilgern und dort
vor ihrem
ehemaligen Parteichef Oskar Lafontaine den kollektiven Kniefall zelebrieren,
so der
freundlich gemeinte Rat eines Parteienforschers aus der politischen Pathologie
der
Saarländischen Sommerlochakademie. Man sei für eine derartige
Massengaudi bestens
gerüstet, wisperte derweil eine Sprecherin Lafontaines in das Mikrophon
eines
Reporters. Ihr Herr werde die irregeleiteten Ziegen und Böcke der
SPD gebührend
empfangen, hauchte die Parteisprecherin lächelnd.
Unterdessen ist auch der Saarbrücker Künstler
Bernd Rausch dem Heiligen Rock
verfallen. In vollendeter Kunst malte der vielseitig veranlagte Meister
großer
internationaler Devotionalienkunst die Horrorvison einer durch den Sozeneinfall
verursachten Mottenplage im Gewebe des katholischen Kultgewandes. Das
Bild zeigt
eine Killermotte, die ein Kunstkritiker in seiner Expertise als den SPD
Chef Franz
Müntefering identifiziert. Im Inneren des Gewands fressen sich bereits
die Stones
(Steinmeier u. Steinbrück) satt. Rauschs Rock in rot warnt eindringlich
vor der
Sozenplage, die das Land in Zukunft noch schlimmer heimsuchen werde als
dies in den
Endzeitvisionen des Leipziger Propheten Ossi von Saxonia schon im frühen
Mittelalter
beschrieben wurde.
Bernd Rausch rät den Trierer Domherren eindringlich
dazu, die Tunika Christi am
besten im Kleiderschrank des Bischofs einzulagern und dort mit genügend
geweihten
Mottenkugeln zu umgeben. Im Spätsommer will der Saarbrücker
Künstler selbst nach
Trier pilgern und das Gewand um die Erlösung des Landes von der Sozenplage
bitten.
Wie es heißt, soll der Heilige Rock bei der Ankündigung Rauschs
mehrmals gezuckt und
Falten geworfen haben, was in Expertenkreisen als positives Zeichen für
ein
bevorstehendes neues Wunder des Heiligen Kittels gewertet wird.
Bild: Bernd Rausch - Der
Heilige Rock in rot
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