![]() |
|||||||||
| takt@takt.de | |||||||||
| zurück | |||||||||
|
Katholische
Kirche in Berlin-Kreuzberg drängt schutzsuchende Roma aus ihrer Kirche
Diskriminierung und Traumatisierung der anwesenden Roma-Familien wird geleugnet Erklärung der UnterstützerInnen der Roma-Familien zu den Ereignissen am 28. und 29.Mai 2009 in der Katholischen Kirche St.Marien Liebfrauen in der Wrangelstraße 50/51 in Berlin-Kreuzberg. (1.Juni) http://www.unrast-verlag.de/unrast,3,0,534.html Vorgeschichte: Am 19. Mai versuchte die Polizei im Einklang mit dem Jugendamt Kreuzberg einigen Roma-Familien, die seit ein paar Wochen im Görlitzer Park lebten, die Kinder wegzunehmen. Durch das Eingreifen engagierter AnwohnerInnen konnte das Auseinanderreißen der Familien verhindert werden. Die Familien fanden vorerst im New Yorck im Bethanien Zuflucht.Nach dem fordernden Besuch bei der Sozialsenatorin Knake-Werner (Linkspartei) und einer mündlichen Zusage des Abgeordneten G. Sayan der Regierungspartei (Linkspartei), dass sie in andere leere Räume des Bethaniens ziehen könnten, erfolgte am Freitag dieser Umzug in diese Räumlichkeiten. Nach mehreren erfolglosen Gesprächen, in denen von Seiten des Staates letztenendes nur das Lager Motardstraße, dessen Schließung antirassistische Gruppen seit langem fordern, angeboten worden ist, wurde den Roma im Bethanien von der GSE (Gesellschaft für Entwicklung), dem Vermieter der Räume, ein Ultimatum bis Donnerstag, den 28.Mai 13 Uhr gestellt. Damit waren sie einer konkreten Räumungsgefahr ausgesetzt. Daraufhin verließen sie das Bethanien. Besetzung und Zuflucht in der Kirche Am Donnerstag, den 28.Mai, gegen 14.30 Uhr besetzten die Roma und UnterstützerInnen die St.Marien Liebfrauen Kirche in der Hoffnung, dort soziale und politische Unterstützung zu finden. Es wurde auch gehofft, daß die Gemeinde Verantwortung für die Situation der von Diskriminierung betroffenden Roma übernimmt und sich menschlich und solidarisch verhält. Am Abend der Besetzung gab es erneut ein Gespräch
zwischen den Roma, den UnterstützerInnen sowie den Politikern Knut Mildner-Spindler,
Stadtrat für Soziales der Linkspartei in Kreuzberg, Katina Schubert,
persönliche Referentin der Sozialsenatorin Knake-Werner (Linkspartei),
dem Verwaltungsbeamten des LAGESO, Herrn Klein und dem Leiter des Sozialamtes
Kreuzberg, Herrn David sowie die stellv. Bundesvorsitzende der Linkspartei
H. Wawzyniak im Publikum und Mitgliedern der Am Freitagmorgen, den 29.Mai, entschieden 30 Roma, nachdem jetzt von der Pfarrgemeinde mit Unterstützung einer rumänischen Nonne Gespräche stattfanden, sich in das Lager /Ausreisezentrum Motardstraße in Berlin-Spandau bringen zu lassen. Die anderen Roma-Familien wollten nicht in die Motardstraße und blieben in der Kirche. Danach gab es ein Gespräch zwischen dem Pfarrer
O. Polossek, der Gemeindevorsitzenden B.Jarasch, Beisitzerin im Berliner Landesvorstand
der Partei Bündnis 90/Die Grünen und Vorstandreferentin im Büro
der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag Renate Künast,
sowie einem weiteren Gemeindemitglied und drei UnterstützerInnen, in
denen die Kirche drängt Roma raus: Die UnterstützerInnen versuchten wieder Kontakt herzustellen. Die Tür wurde wieder geöffnet, aber mit den äußert rabiat vorgehenden Gemeindemitgliedern, die die Tür physisch blockierten und auch einige der UnterstützerInnen schubsten, kam es zu einem verbalen Schlagabtausch. Dabei kam es von Seiten der Gemeindemitglieder zu rassistischen und sexistischen Äußerungen gegenüber den Roma und den UnterstützerInnen. So sagte einer dieser Kirchenvertreter auf den Hinweis, dass es im Park ja keine Toiletten gäbe: Na und - sollen die doch in den Park scheißen, daran sind sie doch sowieso gewöhnt. Eine andere Unterstützerin wurde von einem besonders aggressiv auftretenden Mann als Scheiß Muslim beschimpft und aufgefordert als Nichtchristin diesen Ort zu verlassen, einer Frau wurde angeboten doch näher zu kommen, wenn ihr heiß sei. Die rumänische Nonne sagte einigen Romafrauen direkt ins Gesicht: Ich mag euch Roma nicht, haut endlich ab. Als es später noch einmal zu einem Gespräch
zwischen Roma, UnterstützerInnen und VertreterInnen der Kirche kam, wurde
die In einer inzwischen aktualisierten Ausgabe vom 30.Mai schreibt nun der Tagesspiegel: Die Kreuzberger Gemeinde hielt sich offenbar
nicht an ihre Vereinbarung, den 20 in der Kirche verbliebenen Rumänen
Obdach zu bieten. Wie sich hier zeigt, beging die Kirche eindeutig Wortbruch. Damit ist für die Politik das Problem scheinbar gelöst, obwohl selbst die Motardstraße nur ein vorübergehender Aufenthalt sein kann. Für den Teil der Roma, der dieses Angebot aus persönlichen Erfahrungen und Traumatisierungen heraus nicht in Anspruch nehmen kann, gibt es immer noch akuten Bedarf nach Unterbringung und medizinischer Versorgung. Das grundlegende Problem, den Roma in Berlin eine dauerhafte Alternative zu bieten, die ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht, in der sie ihre Kinder in die Schule schicken und Perspektiven entwickeln, bleibt komplett außen vor. Eine Rückkehr nach Rumänien würde bedeuten, dass sie wieder den rassistischen Verfolgungen in ihrem Herkunftsland ausgesetzt wären. Gegen Antiziganismus und Rassismus Unterstützer*innen der Roma -Familien |
Diskriminierung der Roma angeprangert Am
Wochenende trafen sich die Delegierten von Amnesty International Deutschland
in Saarbrücken zur Jahreshauptversammlung.
Sie forderten, ethnische Minderheiten wie die Roma besser zu schützen. Knapp eine Woche vor den Wahlen zum Europäischen Parlament warten in der Europäischen Union immer noch viele Menschen darauf, als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger ihre Menschenrechte in vollem Umfang wahrnehmen zu können. Dies kritisierten die Delegierten der deutschen Sektion von Amnesty International auf ihrer diesjährigen Jahresversammlung in Saarbrücken. Vor allem Angriffe auf Roma haben in mehreren europäischen Ländern stark zugenommen. Mitten in Europa werden Roma verfolgt und gejagt, sie werden in Ghettos abgeschoben, bekommen keine Arbeit, sind von Basisgesundheitsversorgung ausgeschlossen, viele Roma-Kinder können keine Schule besuchen", sagte Stefan Keßler, Vorstandsprecher der deutschen Amnesty-Sektion. "Hier werden EU-Bürger massiv diskriminiert. Das ist ein europäischer Skandal und beschämend für die EU", sagte Keßler. Die Jahresversammlung forderte die Institutionen
der Europäischen Union und die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten
auf, Roma und andere Minderheiten wirksam gegen diskriminierende Übergriffe
zu schützen und dafür zu sorgen, dass sie nicht länger
Opfer von Hassreden und bewusst geschürten Vorurteilen werden. Außerdem
müsse die EU umgehend eine Rahmenstrategie zur Integration der Roma
erarbeiten. |
||||||||