S.Stadtzeitung takt online
takt@takt.de
zurück

Pfarrer Peter Hintze möchte dem Herrn auf dem Mond ein Stück näher sein

Auch die SPD plant anscheinend eine Mondmission und sorgt sogleich für Chaos im All

Von Claude Michael Jung


Peter Hintze, CDU- Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und
Technologie, will nach der Bundestagswahl eine 1,5 Milliarden Euro teure Mondmission starten. Zwar hat der evangelische Theologe nicht gerade die größte Erfindergabe, lediglich einmal gelang es ihm, die Republik aufhorchen zu lassen. Als
Generalsekretär der CDU erfand der Gottesmann Hintze rechtzeitig zur Bundestagswahl 1994 die legendäre Rote- Socken-Kampagne und trug somit zur Stärkung der zumeist aus Heiden bestehenden damaligen PDS bei.

Nach Auskunft eines Erzengels hat die Rote- Socken-Kampagne Pfarrer Hintze einen
wenig schmeichelhaften Eintrag in seiner himmlischen Kaderakte eingebracht. Wie in
Engelskreisen gemunkelt wird, soll Petrus beim Eintreffen der Hiobsbotschaft aus der
deutschen Atmosphäre fast ausgerastet sein und mit ernsthaften Konsequenzen für den Angestellten des göttlichen Bodenpersonals gedroht haben. Insider gehen jedenfalls davon aus, dass es mindestens drei bis vier Ewigkeiten dauern wird, bis Peter Hintze, nach seinem Rapport bei Petrus, mit der Verleihung des Heiligenscheins
rechnen kann.

Anscheinend möchte der reumütige Sünder Hintze nach dem Frevel von 1994 jetzt seinem Herrn ein Stück weit entgegenkommen und eine Mission zum Mond starten. Nur rund 1,5 Milliarden Euro soll die Mission zum Erdtrabanten kosten. Ein Klacks bei dem Schuldenberg, findet Hintze und sprach gegenüber Medien von prima investiertem Geld, mit dem man neue Jobs schaffen könne und obendrein sogar Gefahren aus dem All abwehren könne.

Derweil sind Mondsüchtige aus Deutschland bereits in Euphorie geraten. Zwar soll
nach den Plänen von „NASA PIT“, wie Hintze in deutschen Amateur-Kosmonautenkreisen mittlerweile genannt wird, vorerst noch kein CDU Mitglied auf den Mond geschossen werden, aber man kann ja nie wissen. In Berlin soll angeblich ein Gerücht umgehen, wonach „NASA PIT“ bereits eine geheime Liste mit Namen abflugbereiter Bundes- und Landespolitiker in seinem Schreibtisch verwahrt. Darin seien angeblich nicht nur prominente CDU- Mitglieder, sondern auch Spitzenkosmonauten aus anderen Parteien aufgeführt.

Mit der Eroberung des Mondes bis zum Jahr 2015 stehen Deutschland große Zeiten
bevor. Deutschland wird galaktisch. Ein neues Bundesland, ein neuer Freistaat wartet
auf seine Eingliederung, eine weitere Sternstunde des Föderalismus steht vor der Tür
und damit ein weiterer Tag der Deutschen Einheit, der Tag des Deutschen Mondes. Im Berliner „Konrad Adenauer Space Center“ herrscht Aufbruchstimmung. „Nun wächst zusammen, was zusammen gehört“. - "Dank sei Hintze“ war an und auf vielen stillen Örtchen zu vernehmen. Außer in Bayerns Landesvertretung wird bereits allerorts von Neu-Hintze-Land gesprochen.

Deutschlands Zukunft liegt auf dem Mond, auf dem Deutschen Mond, wo sonst. Der
Standort Mond lässt das krisengeschüttelte Land hoffen. Endlich geht der lang
ersehnte Hau-Ruck durch die Nation. Es geht steil aufwärts. Mond I statt Hartz IV,
ein echtes Zukunftsprogramm. Auch die Banken wittern Morgenluft. Pläne für die
Auslagerung sogenannter Bad Banks sollen bereits kursieren. Globalisierung war
gestern. Jetzt lockt die Orbitisierung. Bis der erste Gewerkschaftssekretär auf dem
Mond landet, werden noch Jahrhunderte vergehen. Die gilt es für die Wirtschaft zu
nutzen.

Unterdessen hat die bevorstehende Integration des Mondes in die deutsche Hemisphäre im gesamten Showbusiness der Politik ihre Spuren hinterlassen. Im
Bundesfinanzministerium laufen die Computer heiß. Die Rechenaufgabe für die
Finanzastronomen ist schwierig. Es geht darum, das tatsächliche Gesamtgewicht des
Deutschen Schuldengebirges zu erfassen, zu komprimieren und herauszufinden, wie
viele Trägerraketen notwendig sind, um das gesamte Finanzdesaster der vergangenen
Regierungen auf den Mond zu befördern und dort auf der „Hochebene der großen
Pleiten“ zu entsorgen. Diese Frage könnte womöglich nach der Bundestagswahl zur
Chefsache erklärt werden, oder gar einem eigens geschaffenen Mondministerium,
vielleicht mit Pfarrer Hintze an der Spitze, unterstellt werden.

Aber auch die ersten Breiverderber aller Couleur kommen schon aus der Deckung
hervor. Ein Arbeitskreis (AK) zur Christianisierung des Mondes soll in einem
blau-weißem Bierzelt südlich des Weißwurstäquators gegründet worden sein. Eine
kanariengelbe Partei fordert, den Mond sofort nach der Inbesitznahme zur
steuerfreien Zone auszurufen. Die Ökologie des Mondes müsse erhalten bleiben, so
andere Querulanten. Die Linken fordern, zumindest auf dem Mond müsse Gerechtigkeit herrschen. Eine ehemalige Fürther Landrätin soll gar eine Mondpartei gründen wollen, und Deutschlands Piratenpartei pocht auf die Freiheit des Internets innerhalb der gesamten Galaxie.

Doch nun die Hiobsbotschaft für Pfarrer Hintze und die gesamten Pläne von einer
großdeutschen Vollmondmacht. Nach neuesten Erkenntnissen des Mosel-Saar-Ruwer-Weltraumobservatoriums an der Saarschleife gibt es erste Anzeichen dafür, dass der Mond seine Umlaufbahn um die Erde verlassen und sich auf die Suche nach einem weit entfernten Planeten machen will, den er in Ruhe umkreisen kann. Wie die Pläne der SPD Zukunftskommission auf den Mond gelangt sind, ist unbekannt. Jedenfalls war der gute alte Mond vom Donner gerührt, als er erfahren hat, dass die Sozis ebenfalls eine Mondmission starten, und sofort nach der Landung im „Steinmeier-Graben“ den ersten außerirdischen Ortsverein in der Schwerelosigkeit gründen wollen. Adieu du guter Mond. Die Sozis auf deinem Buckel hast du wirklich nicht verdient.