|
|
|
45 Jahre nach dem Tod
Der Schriftsteller Nazim Hikmet darf Türke
sein
Die türkische Regierung will dem verfolgten Schriftsteller Nazim
Hikmet 45 Jahre nach seinem Tod im Exil symbolisch die entzogene Staatsbürgerschaft
zurückgeben. Eine entsprechende Verordnung liege den Ministern zur
Unterzeichnung vor, berichteten türkische Zeitungen. Hikmet gilt
als radikaler Erneuerer der türkischen Poesie und als einer der bedeutendsten
Dichter des 20. Jahrhunderts.
Als "Vaterlandsverräter", wegen "Subversion"
und "kommunistischer Umtriebe" musste er ins Gefängnis
und ins Exil. In 13 Jahren Haft (1937 bis 1950), die seine Gesundheit
ruinierten, schrieb er sein fünfbändiges Meisterwerk "Menschenlandschaften",
poetische Betrachtungen über Anatolien und seine Menschen: "Leben
wie ein Baum, einzeln und frei, und brüderlich wie ein Wald, das
ist unsere Sehnsucht".
Nach Hungerstreik, Amnestie und neuer Verfolgung flüchtete er und
verbrachte den Rest seines Lebens rastlos zwischen Moskau, Prag, Paris,
Ost-Berlin und Havanna. Hikemt liegt auf einem Friedhof in Moskau begraben.
Mit der Rückgabe der Staatsbürgerschaft sei eine Bestattung
in der Türkei möglich, hieß es in den Berichten.
Noch im Jahr 2005 brachte der öffentliche Vortrag eines Gedichts
Hikmets einem Schüler in der südwesttürkischen Kleinstadt
Milas ein mehrstündiges Verhör bei der Polizei ein. Der 17-Jährige,
der das Gedicht "Vaterlandsverräter" bei einem Literaturabend
abweichend vom Programm vorgetragen hatte, wurde auf Anweisung des Landrats
von der Polizei abgeführt. Erst nach drei Stunden, nachdem sich herausgestellt
hatte, dass das Gedicht offiziell nicht verboten ist, kam der Schüler
wieder frei.
|
|
|
|
|
|
|
|