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Wäre Jesus heute wirklich Mitglied von Attac?


Professor Laurent Pastis lüftet das letzte Geheimnis der Menschheit

Von Claude Michael Jung


Die Behauptung des ehemaligen CDU Generalsekretärs Heiner Geißler, Jesus wäre heute Aktivist des globalisierungskritischen Netzwerks Attac, hat in der Vergangenheit nicht nur den Mitgliedern von Attac schweres Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte
bereitet. Kaum hatte das prominente Attac Mitglied Geißler seinen visionären Gedanken vom Stapel gelassen, beanspruchten auch so genannte Realpolitiker aller Couleur den Messias für sich.

So hat unter anderem LINKE-Chef Oskar Lafontaine im Verlauf eines politischen Frühschoppens - unter einer Büste von Karl Marx - einem Reporter des Politmagazins Zappenduster anvertraut, der Sohn des Zimmermanns aus Nazareth wäre heute mit Bestimmtheit einer der Vordenker der Linken und Kronprinz für das Amt des künftigen
Parteivorsitzenden. Lafontaine geht nach Angaben des Zappenduster im Stillen davon aus, dass Jesus den ehemaligen Zuchtmeister der Sozis, Herbert Wehner, von den Toten auferstehen lassen wird, um seinen Alt-Genossen die Wörtchen Sozial und Gerechtigkeit wieder einzupauken.

Alleine schon wegen des C im Parteilogo und der christlichen Werte wäre der Messias heutzutage Mitglied der CDU/CSU, lamentierten dagegen Unionspolitiker. CSU Generalsekretär Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg soll am Rande einer zünftigen Bierzeltveranstaltung in Oberbayern geäußert haben, dass Jesus sich im blau weißen
Freistaat wegen der hohen Kruzifixdichte besonders wohl fühlen würde.

Bei der FDP sieht man Jesus als Mittelständler an, der mit seiner Kunst, Wasser in Wein zu verwandeln, einer der Leistungsträger der Gesellschaft wäre und deswegen in die Reihen der Liberalen gehören würde. Auf die Kunst Jesus', Wasser in Wein zu verwandeln, beruft sich auch die SPD. Dort sieht man Jesus jedoch nicht als
Mittelständler, sondern als Boss des größten Getränkekonzerns der Welt, dem es gelte, Steuergeschenke in Millionenhöhe als Opfer in den Hintern zu schieben. Jesus, der sogar Kranke heilen kann und Tote wieder lebendig macht, käme den Sozen gerade recht, um die gesetzliche Krankenkasse endgültig zu schleifen und die Arbeitgeber
von ihrer Beitragspflicht zu erlösen. Selbst die Grünen haben Ambitionen auf einen wie Jesus. Jesus wäre ein toller Ersatz für Joschka Fischer, meinte eine bereits leicht angewelkte Spinatwachtel und hoffte dabei auf ein kleines Wunder, welches
ihre Partei wieder zu Regierungsehren in Berlin katapultieren würde.

Jetzt herrscht endlich Klarheit in der Spekulationsaffaire um den Supermann aus Nazareth. Schweren Herzens hat das globalisierungskritische Netzwerk Attac mehr als
120 Flaschen besten Armagnac zusammengetragen und dem international renomierten Politologen und promovierten Jesusforscher Prof. Dr. Laurent Pastis von der Universität Cognac als Opfer dargebracht. Angesichts der hochprozentigen Opfergaben
hat sich Prof. Dr. Laurent Pastis sofort bereit erklärt, eine Expertise über Jesus und sein Wirken im 21. Jahrhundert zu erstellen. Nach 119 Flaschen und sieben Schluck des hochdrehenden Armagnac-Weinbrands aus dem Südwesten Frankreichs konstatierte Professor Laurent Pastis bei einem gemeinsamen Katerfrühstück mit den
gespannt warteten Attacies aus ganz Europa: „Die Leber blüht und gedeiht mit ihren Aufgaben“.

Der blaue Salon des Saarbrücker Hotels Grand Marnier war bis auf den letzten Platz besetzt, als Professor Pastis das Ergebnis seiner Christus-Studie zu verlesen begann. Selbst die benachbarte Jägermeister-Lounge und der Chantré-Saal des beliebten Hotels im Zentrum der saarländischen Landeshauptstadt mussten geöffnet
werden, um dem Ansturm der wissbegierigen Jünger und Apostel beiderlei Geschlechts gerecht zu werden.

Rauchzart war die Atemluft im Hotel Grand Marnier geschwängert, als Professor Pastis mit einem verbalen Tritt in den Hintern all jene politischen Heinis, die Jesus für ihre obskuren Programme okkupieren wollen, zur Ouverture seiner, mit Hochspannung erwarteten Expertise kam. Obwohl sämtliche Parteien dringend einen Heiland benötigten, wäre Jesus heute nicht Mitglied einer Partei. Wie Professor Pastis
ausführte, würde die Hölle einfrieren, wenn Jesus beispielsweise mit einem Parteibuch der Sozis in der Hand aus seiner legendären Bergpredigt zitieren würde. Auch als schlaffer, partyverderbender Juso sei Jesus nicht denkbar. Wie Professor Pastis betonte, würde Jesus auch kaum mit den Hartz IV Nachgeburten aus dem Hause
Müntefering&Co. zusammen über den Bodensee wandeln und hinterher einen Joint rauchen.

Was eine Mitgliedschaft in einer anderen Partei anbelangt, so kam der renomierte Professor von der Universität Cognac zu dem Ergebnis, dass Jesus heute gar kein Mitglied der C-Parteien werden könnte. Als unerwünschter Ausländer würde der Mann aus Nazareth mit Sicherheit in einem Abschiebeknast landen. Ob Jesus heute ein Grüner wäre? Diese Frage beantwortete Professor Pastis mit einer Gegenfrage an das versammelte Publikum: „Meine Damen und Herren, können Sie sich den Sohn Gottes und Claudia Roth gemeinsam in einer Partei vorstellen?“

Die Beantwortung der Frage, ob Jesus Mitglied bei Attac wäre, überließ Professor Laurent Pastis seiner reizenden Kollegin Chantal Pernod sowie dem Pubertätsexperten Jaques Ricard vom europäischen Dujardin-Institut in Calvados sur Mere. Pernod als
auch Ricard schlossen eine Mitgliedschaft Jesu bei Attac kategorisch aus. Jesus sei ein Mann aus dem Volke gewesen, der wie sein Urahn David mit der Steinschleuder umzugehen wusste. Der Pubertätsexperte Jaques Ricard berief sich zur Untermauerung seiner Aussage auf das Tagebuch des römischen Centurios Fuselinus Grappa, dem der
pubertierende Christus im Jahre 15 nach seiner Geburt, nicht nur die Braut ausgespannt hatte, sondern auch noch mit der Steinschleuder das linke Ei zu Omelett gemacht hatte. Für Jaques Ricard steht somit fest, dass der moderne Jesus im Gegensatz zu Attac in der Lage wäre, seine Theorien auch in die Praxis umzusetzen. Chantal Pernod sieht die Dinge ähnlich. Für Pernod ist Attac eine Truppe Intellektueller ohne Anbindung an das Volk auf der Straße. So kümmert man sich bei
Attac rührend um die Glühwürmchenpopulationen in Mittelamerika und um die zollfreie Einfuhr fair gehandelten Dosenbieres aus dem brasilianischen Regenwald. Aktuell organisiert Attac wunderschöne Kleindemonstrationen vor den Großbanken. Attac jedoch sei für einen Mann der Tatkraft wie Jesus, keine Alternative. Mit dem Rauswurf der
Geldsäcke aus dem Tempel in Jerusalem hätte schon der antike Jesus gezeigt, wo der Bartel wirklich den Most holt. Die Raubritter der Großbanken sähen sich heutzutage einem Jesus gegenüber, der die Trompeten von Jericho vor ihren Glas und Betonpalästen auffahren, und den Zocker-Marsch solange blasen würde, bis die Großbanken das Schicksal von Sodom und Gomorrha teilen würden.

Abschließend rieten Professor Laurent Pastis als auch Chantal Pernod und Jaques Ricard dem prominenten Attac Mitglied Heiner Geißler, seine Jesus-Theorie noch mal zu überdenken. Mahnend sagte Professor Pastis: „Erst wenn euch der Groschen wirklich gefallen ist, werdet ihr feststellen, dass schöne Worte alleine nicht reichen, um
die Welt grundlegend zu verändern!“

 

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