Digoin eine Stadt zum verweilen -Auf der Route du Charolais in die Bar zum Streik an der Loire
Von Petra Jung
Die Straße Zentraleuropa-Atlantik kommt aus Genf und führt zum Atlantischen Ozean,das Teilstück, auf dem wir uns befinden, nennt sich Route du Charolais. Wir haben die Autobahn von Nancy nach Lyon vor Chalons- sur- Marne verlasen und passieren nun die Tristesse eines untergegangenen Industriereviers. Montceau les Mines, einst einer der großen Standorte der französischen Kanonenkönige, der Schneider-Werke, das französische Pendant zu den Krupp-Werken. Ein Vergleich mit der saarländischen Stadt Völklingen drängt sich hier auf.
Bei Paray le Monial, einer von Sakralbauten geprägten
Stadt,einer Hochburg
romanischer Kunst und berühmter Wallfahrtsort, erreichen wir die
Nationalstraße 79
in Richtung der westfranzösischen Städte Limoges, Poitiers,
La Rochelle und
Bordeaux. Die hervorragend ausgebaute Querverbindung zwischen der Rhonetalautobahn
und den Autobahnen von Paris über Bordeaux nach Spanien und von Bourges
nach Montpellier ist an den Wochentagen geprägt vom Lkw-Verkehr,
der hier das südliche Burgund durchquert. Auch der Tourismus macht
hier nur mal kurz Zwischenstation auf dem Weg in die Urlaubsregionen des
Mittelmeers oder des Atlantiks.
Wir erreichen Digoin, eine kleine Stadt an der Loire, die für den
eiligen
Durchreisenden nichts weiter als eine Ortsdurchfahrt wie jede andere und
eine
zusätzliche Temporeduzierung bedeutet.
Doch das kleine Städtchen hat mehr zu bieten, viel mehr sogar. Hier
treffen drei
Kanalverbindungen aufeinander, der Canal du Centre, der Canal
de Roanne à Digoin und der Loire Seitenkanal.
Rund 100 Kilometer Rad- und Wanderwege um Digoin laden zur Erkundung ein.
Ein Anglerparadies inmitten einer sanften Hügellandschaft. Vom kleinen
Yachthafen, fast im Zentrum von Digoin gelegen, gelangt man auf dem Leinpfad
nach ein paar hundert Metern zum großartigen Pont Aqueduc,
der Loireüberquerung des Kanal du Centre, erbaut von
Pierre la Taille zwischen 1834 und 1838. Der Pont Aqueduc
führt in einer Länge von 243 Metern und in einer Breite von
11 Metern den Schiffsverkehr des Kanal du Centre" über
die Loire, die an dieser Stelle ihre ursprüngliche Romantik beibehalten
hat und nicht schiffbar ist. In den Sommermonaten laden die Sandbänke
zu einem Bad in der Sonne ein, ruhiger als an den Stränden unserer
Urlaubsparadiese.
Der Canal du Centre hat von allen Kanälen Burgunds seine
Bedeutung als
kommerzieller Wasserweg bis heute bewahrt. Sein malerischer Verlauf führt
ihn durch
die Landschaft von Le Creusot, durch die saftigen Wiesen des Charolais,
der Heimat
der weißen Rinder, die der Durchreisende fast ganzjährig auf
den Weiden der
Bourgogne finden kann, nach Digoin. Die Stadt ist aber auch eine Hochburg
für den
ständig wachsenden Bootstourismus in diesem Teil des Burgund, zwischen
Nevers und
Mâcon.
Der Yachthafen bietet neben der Möglichkeit, auf dem Canal
du Centre den
Pont Aqueduc mit einem Ausflugsdampfer zu überqueren,
auch die Möglichkeit, ein
Hausboot für einen gemütlichen Urlaub auf dem Wasser anzumieten.
Diese Boote sind
von der Führerscheinpflicht befreit und können nach einer etwa
zweistündigen
Einweisung ,die das Führen des Boots, die Handhabung der Schleusen
und die Regeln
auf den Wasserwegen Frankreichs beinhaltet, problemlos von jedermann sicher
geführt
werden.
Wir beziehen Quartier im Hotel Rond Point", direkt an der
N79 gelegen, ein bisschen
laut in der Nacht, aber wir werden entschädigt durch den Ausblick,
den wir aus
unserem Zimmer haben. Der Blick reicht von der Loirebrücke, der Nationalstraße
und
vom Campingplatz am Ufer der Loire über den Place de la grève
(Platz des Streiks),
einem heute wunderschönen Park am Ufer der Loire mit altem Platanen-Bestand,
bis hinzum Pont Aqueduc, der bei einbrechender Dämmerung
hell erleuchtet ist. Hier kommt eine besondere Stimmung auf, wenn die
Sonne im Spiegel des romantischen, seinen natürlichen Ursprung bewahrenden
Flusslauf untergeht.
Ein Abendspatziergang auf der Uferpromenade, verbunden mit einem Besuch
in einer der t, sollte nicht fehlen. Vielleicht darf es die Bar
de la
grève sein. Hier gibt es noch die Boucherie de la grève,
(Metzgerei des Streiks)
und die Boulognerie de la grève, die Bäckerei
des Streiks. Namen die in
Deutschland so nicht vorkommen. Sie haben ihren Ursprung in den großen
Streiks der
französischen Arbeiter in den dreißiger Jahren des letzten
Jahrhunderts. Handwerker,
Bäcker, Metzger und Lebensmittelhändler haben die sich im Ausstand
befindlichen
Arbeiter damals mit Gütern des täglichen Bedarfs versorgt, ihnen
Kredit gewährt,
dafür gesorgt, das sie, ihre Kinder und Frauen nicht hungern mussten,
Das reiche Vorkommen an Tonerde hier an den Ufern der Loire war auch ein Grund für die Ansiedelung der Keramikmanufaktur in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es entstand unter der Federführung der Familie Utschneider, den Besitzern der Fayencerie in Saargemünd, eine florierende Produktion von Fayencen, Steinzeug, Töpferwaren und Keramiken, deren Entwicklungsgeschichte im Museum der Keramik, das sich im Gebäude des Fremdenverkehrsvereins befindet, dargestellt wird.
Digoin ist aber auch ein hervorragender Ausgangspunkt für diverse
Ausflüge in die
Region, etwa zum Tal des Allier, einem wildromantischen Fluss in der Bourgogne,
oder
nach Montlucon, nach Macon sowie nach Limoges. Die Abende an der Loire
fordern die
Reisenden auch dazu auf, das eine oder andere Glas der Loireweine zu kosten.
Digoin
sollte man nicht einfach nur durchqueren. Die kleine Stadt an der Loire
hat viel zu
bieten. Sie ist es wert, den einen oder anderen Tag hier zu verweilen.
Das Saarland setzt im Kampf gegen die Schweinegrippe auf ein umfassendes Kussverbot
Geeichter Krisenstab soll nach einer geeigneten Destillation gegen H1N1 und
H3N2-Bestien suchen
Von Claude Michael Jung
Wie eine aktuelle Studie der Saarländischen Sommerlochakademie ergeben
hat, sind gerade die Saarländerinnen und Saarländer besonders kussfreudig.
Auf den Prachtboulevards zwischen Peppenkum, Kleinblittersdorf, Losheim und
Saarhölzbach
nimmt das Abschmatzten als Begrüßungsritual ständig größere,
nahezu unheimliche Dimensionen an. Dabei bleibt es nicht beim einfachen aufblasen
der Backen, verbunden mit einer Umarmung, die von Fachkreisen als sogenannter
sozialistischer Bruderkuss
bezeichnet wird und als harmlos, was die gegenseitige Kontaminierung mit Grippeviren
anbelangt, eingestuft wird. Dort wo ein einfaches Tach oder Salü
vollkommen ausreichen würde, fallen sich die Menschen gegenseitig in
die Arme und knutschen sich ab was das Zeug hält. In aller Öffentlichkeit
kommt es dabei zu immer längeren
Karambolagen der Lippen. Selbst minutenlang anhaltende Küsse, teilweise
bis zur Ohnmacht, werden immer öfter beobachtet. Gesundheitsexperten
warnen jetzt vor dem ausufernden Fraternisierungswahn.
Wer rumknutscht mutiert zur Bazillen und Virenschleuder und öffnet
der Schweinegrippe Tür und Tor, so der angesehene Virologe Prof.
Dr. Herbert Leise-Furtzer, der im Auftrag der Saar Sommerlochakademie die
unheimliche Kussfreude
der Saarländerinnen und Saarländer gründlich erforscht hat.
Wie Prof. Dr. Leise-Furtzer betonte, könnten die Influenzaviren vom Stamm
H1N1 oder H3N2 das gesamte öffentliche Leben an der Saar zum Erliegen
bringen. Bisher waren die Griller und Schwenker, bis auf wenige Ausnahmen,
weitgehend resistent gegen die
Schweinegrippe, sagt Leise-Furtzer und führt diesen Umstand auf
den massenhaften Verzehr von Schweinefleisch zu, dass meist mit Anabolika
und anderen äußerst wirksamen Substanzen angereichert ist. Trotzdem
sieht der Virologe eine große Gefahr auf das Land zukommen, wenn sich
das Saarvolk auch weiterhin so wild von einem
Kussmarathon in den Nächsten stürzt.
Derweil befürchten professionelle Bedenkenträger bereits das Schlimmste
für das Saarland. Eine Großinvasion der Schweinegrippeviren könnte
sogar zu einem Ausfall
der Landtagswahlen am 30. August führen, wenn die Wahlberechtigten samt
sonders im Bett lägen und statt die Parteien mit ihrem Kreuzchen auf
dem Wahlzettel, die Apotheken mit Rezepten beglücken würden. Selbst
sofortige Massenimpfungen seine
nutzlos, wird berichtet. Da der Impfstoff bisher noch nicht die erforderliche
Drehzahl erreicht habe, könnten Nebenwirkungen, wie politisches Völlegefühl
und Demokratiemattigkeit am Wahltag zu einer Wahlbeteiligung im Null-Kommabereich
führen, wird befürchtet.
Indes sollen Sicherheitsexperten bereits über ein öffentliches
Kussverbot nachdenken um das Saarland vor einem weiteren Tiefpunkt seiner
Geschichte zu bewahren. Videokameras auf öffentlichen Plätzen sollen
Intensivtäter identifizieren.
Pensionierte Polizisten, die das 85 Lebensjahr noch nicht vollendet haben
sollen wieder aktiviert werden und die Frevler an der Gesundheitsfront dingfest
machen, heißt es aus Kreisen von Sicherheitsexperten. Ein Einsatz der
Bundeswehr gegen den
Kusssport wird allerdings nicht erwogen, da man während der Gefechte
mit einer nicht unerheblichen Anzahl an Überläufern ins Lager der
Knutscher rechnet. Resigniert sagte dazu ein grau melierter Oberst, das Gewehr,
die Braut des Soldaten sei eben chancenlos gegen einen verlockenden Kussmund.
Dies sei zwar Wehrkraftzersetzung, aber man müsse in diesem Fall sogar
eine bedingungslose Kapitulation mit ins Kalküleinbeziehen.
Unterdessen ließ der Saarländische Thekenverein in einer Pressemitteilung
verbreiten, das massenhaftes Absabbern in der Öffentlichkeit nicht zwangsläufig
zu einer unkontrollierten Verbreitung der Schweinegrippe führen müsse.
Wie der Thekenphilosoph Max Flabbes glaubhaft versicherte, habe er des öfteren
bereits spontan, zumeist weibliche Personen, intensiv und länger andauernd
abgeschmatzt. In keinem Fall sei er danach erkrankt. Lediglich etwas schmerzhafte
Tritte und ein paar Prellungen und Beulen seien die Folge seiner Aktivitäten
im Dienst der Menschheit gewesen, so Flabbes. Zudem betonte der Thekenphilosoph,
dass er nach jedem
Hautkontakt mit anderen Personen stets zu seinem Flachman greife, um eventuell
übertragenen Bazillen und Viren mit hochprozentigem Alk den Garaus zu
machen. Etwas kleinlaut gab der Thekenphilosoph zu, im Verlauf eines feucht
fröhlichen Betriebsausflugs bei einem Bio-Winzer sogar mal ein leibhaftiges
Schwein geküsst zu haben, ohne an der Schweinegrippe zu erkranken. Zum
Ausklang einer heftigen Weinprobe, so Flabbes, habe er Gloria, die preisgekrönte
Prachtwutz des Winzers derart süß und niedlich gefunden, dass er
sie heiß und innig abgeküsst habe. Gloriahabe die Schmatzer etwas
verstört erwidert, sei aber, wohl auf Grund der Megafahnedes hekenphilosophen,
urplötzlich eingeschlafen, bestätigte der Winzer auf Anfrageunserer
Zeitung.
Wie Max Flabbes weiter ausführte, sei er lieber etwas dusselig vom Schnaps,
als tagelang mit irgendwelchen Spielarten der Grippe im Bett zu liegen. Schon
sein Großvater sei durch Schnaps resistent gegen die spanische Grippe,
den braunen Durchfall und das Gegackere ganzer Politikergenerationen gewesen.
Welche
Schnapsmarke der Thekenphilosoph zur Gesunderhaltung seines Körpers einsetzt
wollte er allerdings nicht verraten. Auch über die genaue Dosierung machte
Flabbes keine Angaben. Drei mal täglich 20 Tropfen seien jedoch zu wenig
gegen die H1N1 und H3N2
Bestien betonte er.
Wie inzwischen ein Hausmeister im saarländischen Gesundheitsministerium durchsickern ließ, soll noch in dieser Woche ein Krisenstab unter Führung eines geeichten Staatssekretärs zusammentreten und nach einer geeigneten Destillation gegen die Schweinegrippe suchen. Sollte das Sondereinsatzkommando nicht rasch fündig werden, so gilt bis auf weiteres im Land der Griller und Schwenker: Schmatz keinen ab, gib niemand die Flosse, sag einfach Salü oder verwende das Götz-Zitat