Geschickt verwebt der Autor Gegenwärtiges mit Vergangenem, Ironisches mit Ernsthaftem in dieser Geschichte über das, was hätte passieren können. Praktisch, dass man sie gleichzeitig als Saarbrücker Rundgang benutzen kann

Saarbrücker Zeitung

06.06.2003

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szimnetz

Tragisches Ende, rollende Kugel

Joachim Schmitt las aus seinem Buch ,,Rien ne va plus"

 

Saarbrücken ,,Weit im Westen türmten sich Gewitterwolken." So beginnt eine Kurzgeschichte von Joachim ,,puma" Schmitt um zwei aus einem Altenheim ausgebüxte Damen, die in der Nacht Schlimmes erleben werden. Bei uns im Publikum von Gewitterwolken jedoch keine Spur, brütende Hitze über Saarbrücken. Trotz aller Widrigkeiten haben sich einige Unverdrossene im ,,Hellmut" eingefunden, um der Lesung aus Schmitts Erzählungssammlung ,,Rien ne va plus" zu lauschen. Wunderbar vorgetragen von Torsten Hermentin, Schauspieler am Staatstheater.

Die ,,Gräfin", Persianer überm Nachthemd, Diamanten-Diadem auf dem Kopf, aber trotzdem recht wenig blaublütig, macht sich mit ihrer 80-jährigen, stupsnasigen Freundin Mariechen auf, die Nacht zu genießen. Wilhelm-Heinrich-Brücke, Schloss, Saarbrücker Flair und die Erinnerungen der Gräfin an die Nazizeit. Und dann ihr tragisches Ende in eben dieser Nacht, dessen Ursache der Anschlag auf die Ausstellung ,,Verbrechen der Wehrmacht" ist.

Geschickt verwebt der Autor Gegenwärtiges mit Vergangenem, Ironisches mit Ernsthaftem in dieser Geschichte über das, was hätte passieren können. Praktisch, dass man sie gleichzeitig als Saarbrücker Rundgang benutzen kann.

Die Geschichte ,,Rien ne va plus" dagegen könnte überall spielen. Eine gedämpfte Atmosphäre in der Saarbrücker Spielbank, Wagemutige und ewige Verlierer treffen sich hier. Es regiert eine 50-Sekunden-Hoffnung während die Elfenbein-Kugel rollt. Marcel Ruoff beschließt auf sehr ungewöhnliche Weise, die Bank zu sprengen. Wie auch in der letzten Erzählung ,,Eine famose Bewerbung", regiert hier der ironische Blick, kombiniert mir einer sehr eigenen, tiefgründigen Beobachtungsgabe. Die Interessenvielfalt des Autodidakten Schmitt, ehemaliger Sozialarbeiter, DJ und gastronomisch tätig, hat da sicher das ihrige dazu getan. ,,Rien ne va plus" ist der erste Band in der Reihe ,,Grenzfälle". Die Reihe soll dem Publikum Autoren der Saar-Lor-Lux-Region näher bringen. Zeitgemäßes, Witziges, Lebensnahes ist angestrebt. Und mit Joachim Schmitts Erzählsammlung ist das sicher auch aufs Glücklichste gelungen.
RUTH ROUSSELANGE

Bildausschnitt aus denk mal 1, Joachim puma Schmitt

Geschickt verwebt der Autor Gegenwärtiges mit Vergangenem, Ironisches mit Ernsthaftem in dieser Geschichte über das, was hätte passieren können. Praktisch, dass man sie gleichzeitig als Saarbrücker Rundgang benutzen kann

Der Saarkurier sagt:
Mit
5 Euro sind sie dabei und werden es niemals bereuen.

Rien ne va plus
Der Verein zur Förderung der Kommunikation präsentiert saarländische Autoren. Die Reihe "Grenzfälle" ist Titel und Programm zugleich. "Rien ne va plus " von Joachim puma Schmitt wurde im Blattlaus Verlag verlegt und ist über alle Buchhandlungen zu beziehen, ISBN-3-930771-22-5.